The Big Break – Germany

Die Stammleser werden sich erinnern: Ich bin ein großer Fan der Reality-Show “The Big Break”. Vor zehn Jahren fing der US-Sender Golfchannel damit an, unbekannte Profigolfer (und nervige Möchtegerns) um einen Turnierplatz auf einer der großen Touren kämpfen zu lassen. Das Format läuft noch immer – und zwar extrem erfolgreich.

Inzwischen bin ich der Meinung, dass die Show auch in Deutschland funktionieren könnte. Das Konzept müsste nur ein wenig abgewandelt werden. Natürlich kommt dafür eigentlich nur ein Sender in Frage: Sky.

Der Pay-TV-Sender ist hierzulande der einzige Player, der dem Golfsport einen anständigen Programmplatz und ausreichend Zeit einräumt. Was den Münchnern Fernsehmachern bislang fehlt, sind interessante Eigenproduktionen, die über die eigentliche Turnierberichterstattung hinausgehen. “Big Break” konnte da eine Lücke schließen.

Sky ist zwar bislang nicht dadurch aufgefallen viel Geld für die Golfberichterstattung auszugeben, aber eine deutsche Version der Reality Show muss nicht unbedingt teuer sein. Die einzige Schwierigkeit besteht wohl darin, den Golfchannel davon zu überzeugen, die Rechte zu einem angemessenen Preis zu syndizieren. Ansonsten zeigen die Amis sehr eindrucksvoll, wie man die Show entsprechend gegenfinanziert.

Als Kulisse/Austragungsort wählen die Produzenten immer ein schönes Touristenresort wie das Greenbrier oder den K Club in Irland. Zahlen werden sie dafür nicht, schließlich ist die Show eine verdammt gute Werbung. Auch in Deutschland gibt es den einen oder anderen Platz, der sich dafür anbieten würde. Meine Favoriten wären Budersand (mit eigenem Hotel und Sylt als Kulisse), Winston Golf (Zwei schöne Plätze, aber leider kein eigenes Hotel) und natürlich der Platzhirsch in Bad Griesbach, das Hartl Resort (Franz-Beckenbauer-Platz!!! Da geht doch was, Sky!). Zusätzliche Produktionskostenzuschüsse könnte man vielleicht noch den jeweiligen Fremdenverkehrsämtern aus dem Kreuz leiern.

In den USA ist seit jeher Adams Golf Sponsor von “The Big Break”. Die wären für Deutschland natürlich etwas ungeeignet, aber ich könnte mir vorstellen, dass die großen Sportartikler wie Adidas/Taylormade oder Cobra/Puma durchaus zum Mitmachen zu bewegen wären.

Kommen wir zum großen Gewinn – der Teilnahme an einem Profi-Turnier. BMW ist hier natürlich der erste Ansprechpartner. Der bayrische Autohersteller ist Titelsponsor zahlreicher Turniere weltweit – und kann mit Sicherheit einen Startplatz locker machen. Ansonsten fragt man die Deutsche Bank (PGA-Tour!!!) oder andere große Unternehmen wie Emirates oder Volvo. Kein Ding der Unmöglichkeit.

Selbstverständlich müsste es einen ganz besonderen Unterschied zur US-Version geben – bei uns würden Amateure antreten. Einfach aus dem Grund, weil wir in Deutschland nicht genug interessante Profis haben, die solch eine Show bereichern würden.

Das Casting wäre perfekt für die sozialen Netzwerke und einem Medienpartner wie zum Beispiel Golfpunk. Im Vorfeld würde man so schon einen ordentlichen Buzz um die Show aufbauen.

Ich bin mir sicher: Es gibt genug sehr gute Golfer aller Alterklassen in den deutschen Clubs mit interessanten Geschichten, die davon träumen, einmal mit den großen Jungs zu spielen. Und es gibt mit Sicherheit jede Menge Durchschnittsgolfer, die sich deren Kampf um den Turnierplatz im Fernsehen anschauen würden.

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Chickengate oder Witzigkeit kennt keine Grenzen

Da fragt der unbedarfte Moderator beim offiziellen European Tour Gala-Dinner Sergio Garcia ganz frech, ob dieser während der US Open seinen angeblichen Erzfeind Kollegen Tiger Woods abend zum Essen einlädt, und was antwortet der Spanier: “We will have him round every night. We will serve fried chicken.” – “Er wird jeden Abend da sein. Wir  werden ihm frittiertes Hühnchen servieren.”

Ha. Ha. Ha.

Sergio bedient sich also des negativ besetzten Klischees vom Afro-Amerikaner, der sich an frittierten Hühnchen labt, um ein wenig lustig zu sein. Er hätte auch Wassermelonen statt des Hühnchens nehmen können. Der Shitstorm auf Twitter ließ nicht lange warten (und hält noch immer an).

Der Spanier entschuldigte sich. Oder besser gesagt: Er ließ eine Entschuldigung über die European Tour verbreiten.

“I answered a question that was clearly made towards me as a joke with a silly remark, but in no way was the comment meant in a racist manner.”

Oder kurz: Das war kein Rassismus, es war ein Witz.

Tja, so eine dummdreiste Erklärung habe ich in abgewandelter Form schon unzählige Male von Golfern gehört.

Sexistische, fremden- und schwulenfeindliche Sprüche scheinen für einige auf deutschen Golfplätzen völlig in Ordnung zu sein. Man meint es ja nicht so, alles nur Spaß. Und wer das nicht versteht, der hat halt keinen Humor. Einfach mal locker bleiben.

Sorry, das sehe ich anders. Wer solche Witze macht, ist rassistisch, sexistisch und/oder schwulenfeindlich. Und es ist ein Irrglauben, dass der Golfplatz (oder das Clubhaus) ein Ort ist, an dem man(n) unter sich ist und genau aus diesem Grund solche Sprüche machen kann.

Solch ein Verhalten ist inakzeptabel. Das hat nichts mit der berühmten Political Correctness zu tun, sondern mit Respekt gegenüber meinen Mitmenschen.

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich immer für einen dummen Spruch zu haben bin. Aber es gibt Grenzen. Und Sergio hat diese überschritten.

Die 1000 Augen des Robert Rock

Über Pfingsten durfte ich im Auftrag meines Arbeitgebers nach Wentworth reisen. Dort geht in dieser Woche die BMW PGA Championship über die Bühne und am Montag war dementsprechend schon viel Trubel auf der Anlage. Jede Menge Spieler, Caddies und die restliche European-Tour-Mischpoke wuselten auf dem Gelände des Edelclubs im Londoner Speckgürtel herum. Zum Pressetermin gehörte auch ein Treffen mit Tourpro und Stylegott Robert Rock.

Auf der gut besuchten Driving Range zeigte der Brite im Auftrag von Apple, mit welchen Apps und Geräten er sein Golfspiel verbessert (schöne Geschichte, aber die gibt es demnächst auf SPON). Danach fragte er, wer denn auch mal ein paar Bälle schlagen wolle. Nachdem niemand der anwesenden Journalisten “Hier!” schrie, meldete ich mich als Freiwilliger. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Aber zunächst eine kleine Videoeinblendung aus der Prophezeiung “Tin Cup” zum besseren Verständnis.

Robert hatte sich auf der Range ganz am rechten Rand platziert. In direkter Nachbarschaft war der weiße Pavillion der Players Lounge. Dieser Blick bot sich mir also:

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Ich fragte: “Hast du ein Siebener?” Er antwortete: “Nimm das hier, das passt.” Dann hielt ich plötzlich ein 6er-Eisen (Blade) in der Hand. Der Sicherheitsmann vor der Players Lounge guckte grimmig, meine ausländischen Kollegen beobachteten mich gespannt und Robert Rock war auch noch da. Plötzlich konnte ich keinen klaren Gedanken fassen, geschweige denn, an meinen Golfschwung denken.

Ich holte aus.

Shank.

Mit einem lauten Knall traf mein Ball im Tiefflug das etwa 60 Meter entfernte Titleist-Schild auf der Range. Alle Profis und Caddies stellten plötzlich ihr Training ein und schauten in meine Richtung. Ich wurde rot.

Neuer Ball. Neues Glück.

Shank.

Diesmal verfehlte ich nur knapp das Titleist-Schild.

Noch ein Versuch. In meinem Kopf ratterte es.

Ich traf viel zu fett und beförderte geschätzte drei Quadratmeter Rasen in die Luft. Der Ball flog knapp hinter das Titleist-Schild.

Ein weiterer Ball.

Shank.

Die Kugel hob mit einem enormen Slice flach ab und krachte mit lauten Getöse auf das Dach der Players Lounge.

Danach gab ich Robert seinen Schläger zurück.

Man kann sagen, dass ich auf der Driving Range der BMW PGA Championship einen durchaus denkwürdigen Auftritt hatte.

Zum Glück konnten alle drüber lachen. Ich auch.

Ob dieses Schild in Wentworth nun abgeändert wird, weiß ich allerdings nicht.
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We Are All In A Spanish Submarine!

Sergio Garcia macht den McAvoy und sichert sich den Tin Cup bei der Players Championship. Was für eine episches Finale auf dem TPC Sawgrass. Tiger Woods gewinnt am Ende – und machte es noch einmal selbst spannend. Dramatisch ist gar kein Ausdruck. Eine kleine Chronologie.


Team Golfnerd: James Hahn

Ich lehne mich mal aus dem Fenster: James Hahn ist derzeit die  coolste Sau auf der PGA Tour. Der Sohn eines Driving-Range-Besitzers spielt mit 31 Jahren eine verdammt gute Rookie-Saison (knapp 750.000 Dollar Preisgeld in 2013), schaut sich angeblich noch immer Schwungtipps auf YouTube an und ist ein pfiffiges Kerlchen.

Bekannt wurde der Mann Anfang des Jahres dank seiner Feierlichkeiten am legendären 16. Grün des TPC Scottsdale bei den Waste Management Open. Hahn spielte Birdie und ging dann ab wie Schmidts Katze Gangnam Style (man beachten die leicht verstörten Kommentatoren). Dem traditionell betrunkenem Publikum gefiel es, mir auch.

So richtig lieb habe ich den Kerl allerdings seit einem Interview mit dem Golfchannel (das leider nicht mehr online ist). Dort erzählt er unter anderem von seinem Rauschmiss aus dem College-Team. Bei den Cal Golden Bears fiel er in Ungnade, weil er anscheinend ein überhebliches Arschloch mit Hang zu ausgelassenen Feten war. Der Coach zitierte ihn im vierten Jahr in sein Büro und dort wurde Hahn vor versammelter Mannschaft gefeuert.

Nach der Uni versuchte er sich 2003 kurz als Profi – und war nach drei Monaten Pleite. Irgendwie hielt Hahn die Saison noch durch. Am Ende gab er das Golf spielen auf und sattelte um. Er versuchte sich als Werber, Börsenzocker und Damenschuhverkäufer. Richtig erfolgreich war er nach eigenem Bekunden nur in letzterem Job. Ein Jahr lang fasste der Mann keinen Schläger an – ehe der Ergeiz ihn wieder packte.

Hahn spielte in den kommenden Jahren mit mäßigem Erfolg auf der US Pro Golf Tour, der Gateway Tour und der koreanischen Tour ehe er auf der Canadian Tour sein Glück versuchte und dort 2009 sogar zwei Turniere gewann. Danach ging es auf die Nationwide bzw. web.com-Tour. 2012 erspielte er sich die PGA-Tour-Karte. Eine absolut geile Grinder-Karriere, die allen Spätstartern Hoffnung macht.

Es gibt aber noch einen Grund, warum ich Hahn so mag: Der Golfchannel-Strahlemann kam beim Interview nämlich nicht ganz so gut weg.

GC-Pfeife: “Ihr Spitznahme auf der PGA-Tour und auch auf der web.com-Tour ist der “asiatische Brad Pitt”…

Hahn: “Und ich habe gehört, man bezeichnet Brad Pitt als weißen James Hahn !?”

Wer die Dummheit eines Reporters so charmant bloßstellen kann, der verdient einen Platz im Team Golfnerd.

James Hahn auf Twitter folgen.

Das klassische In-The-Bag… aber zur Abwechslung unterhaltsam.

Nettes und witziges google-Hangout mit Hahn.

Cooler typ, cooler Sponsor.

 

Was schenke ich einem Golfer? Und was besser nicht.

Alle Jahre wieder: Zum Geburtstag, zu Weihnachten, zu Ostern oder zu was weiß ich noch für Anlässen – irgendwann überlegen Nicht-Golfer immer was sie einem Golfspieler schenken können und greifen dabei regelmäßig in die Tonne. Warum gibt es eigentlich immer diese furchtbaren Präsente von sogenannten Freunden und der lieben Verwandtschaft? Wahrscheinlich, weil sie es nicht besser wissen. Und weil unsere tolle Golfindustrie jeden Menge teuren und nutzlosen Scheiß herstellt.

Ein paar Beispiele des Präsent-Schreckens gefällig?

Die Ballangel: Irgendwann hatte ich drei Stück dieser mechanischen Rentnerarm-Verlängerungen in meinen Keller stehen. Unbenutzt natürlich. Wer solche Teile auf dem Platz benutzt und den Verkehr aufhält, sollte eigentlich sofort vom folgenden Flight ins Wasserhindernis geworfen werden. Ballangeln sind nur was für schlechte Verlierer.

Lustige Logobälle mit passenden Tees und Plastik-Pitchgabel: Hui. Ein Smiley auf dem Ball. Wie lustig. Oder die HSV-Raute. Oder noch schlimmer. Ab ins Wasser damit. Die Qualität dieser Bälle ist häufig unterirdisch, und meist schämt man sich auch noch für den Aufdruck. Und eine Pitchgabel aus Plastik? Nein danke. Lediglich die Tees erfüllen manchmal ihre Aufgabe. Aber die gibt es ohne peinliches Logo auch günstiger.

Witzige Schreibtisch-, Klo- oder Sonstwo-Golfsets: Ok, habe ich auch schon mehrfach geschenkt bekommen. In allen möglichen Ausführungen und Größen. Und wie oft habe ich damit gespielt? Niemals.

Bücher mit Golfwitzen: Meist haben die gesammelten Anekdoten/Zoten/Gags/Cartoons in diesem literarischen Meisterwerken nicht nur einen langen Bart, sondern auch leider null Witz. Schlimmer ist noch, dass ich mir diese Humorbomben häufig auf dem Platz anhören muss, wenn ich mir meine Mitspieler nicht aussuchen kann. Ha, ha, ha – selten so gelacht.

Aber wie geht es besser? Ganz einfach: Hier mal ein paar Geschenkideen. Darüber würde ich mich freuen:

Bälle: Ohne Logos. 12 bis 15 Stück. Bevorzugt von einem Markenhersteller und mindestens 2-Piece (einfach im Golfladen fragen). Im Zweifel Wilson, Precept, Nike, Callaway oder Noodle. Meine Millionärsfreunde dürfen mir gerne Titleist ProV1 schenken… muss aber nicht.

Tees: Das Low-Budget-Geschenk, ist aber immer gut. Die Länge ist relativ egal. ACHTUNG: Bitte keine Wintertees andrehen lassen.

Greenfee-Gutschein: Einfach mal schauen, welche Golfplätze in der Nähe sind und in dem der zu Beschenkende nicht Mitglied ist und die Greenfee (das Eintrittsgeld für eine Runde Golf) bezahlen.

Gutschein für den Pro-Shop: Zum Heimatclub des Glückskindes fahren, dort in den Pro-Shop (das ist der ortsansässige Laden, der den ganzen Golfkram verkauft) gehen und einen Gutschein erwerben. Alternativ kann man das auch bei Karstadt Sport + Spiel oder der Kette Golfhouse machen.

Ein SKY-Abo: Und zwar nicht irgendeines, sondern das Sport-Abo des Senders, damit man die PGA- und die European-Tour-Turnier sehen kann.

Gute (!!!) Golfbücher: Die meisten Golfspieler lieben Bildbände mit tollen Plätzen, die sie wahrscheinlich nie im Leben spielen werden. Ein anderes Buch, das ich empfehlen kann, ist das hier:

Abo für eine englischsprachige Golfzeitschrift: Ich würde mich zum Beispiel über ein Jahr “Todays Golfer” freuen.

Zeit: Nicht die Wochenzeitung, sondern tatsächlich Zeit. Einfach mal so stressfrei Golf spielen gehen dürfen. Darüber freuen sich besonders Mütter und Väter.

So. Das musste mal raus. Ich habe übrigens im Mai Geburtstag.

Und was habt ihr schon für furchtbare Golfgeschenke bekommen?

Warten auf NG360dot

Im Mai 2012 wurde die Nike Golf-App NG360 groß angekündigt. Auch in Deutschland wurden die Pressemitteilungen verschickt – und tatsächlich zeigten sich viele begeistert (ein gutes Beispiel dafür ist der Blogpost von Dennis Born auf golfen-mv.de). Mir ging es ähnlich. Das Ganze hatte nur einen Schönheitsfehler: In Deutschland bzw. in Europa konnte man das Teil nicht runterladen. Und so wartete ich. Und wartete. Und wartete.

Im Juli 2012 schrieb fand ich nach langer Recherche den zuständigen Mann bei Nike Deutschland und fragte mal nach. Die Auskunft war, dass die App für Herbst 2012 geplant ist.

Und der Herbst kam. Und der Winter. Und jetzt der Frühling.

Vorgestern schrieb ich dem netten Mann bei Nike noch einmal. Er meldete sich zurück und überbrachte gute Nachrichten: NG360 wird gerade ausgiebig in Deutschland und Europa getestet. Man ist also – meine Deutung – in der Beta-Phase.

Ehrlich gesagt hatte ich schon befürchtet, dass das Teil überhaupt micht mehr bei uns erscheint. Glück gehabt. Insbesondere, da der Sportartikler in den USA seine Online-Präsenz in Sachen Golf auf ein Minimum eingedampft hat. Die Internetseite ist an Minimalismus kaum noch zu überbieten. Schade eigentlich. Auch wenn ich vieles für Spielerei hielt, war der Oven etc. doch letztendlich recht unterhaltsam. Und auch die Werkstatt-Berichte hatten ihren Mehrwert. Aber vielleicht war McIlroy zu teuer und hat das gesamte Budget gefressen.

Egal. NG360 kommt. Hoffentlich. Ich freu mich.

Darauf:

 

Südstaaten-Golf: Knarre im Bag, Georgia on my Mind

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Der coolste Greenkeeper der Welt wohnt in Harlan, Kentucky.

Zehn Tage bin ich im März mit dem Auto durch die US-Bundesstaaten Georgia, Tennessee und Kentucky geeiert. 2000 Meilen habe ich dabei abgerissen, acht große und kleine Städte besucht und neun Geschichten für meinen Arbeitgeber recherchiert. Glücklicherweise habe ich auch ein wenig Golf gespielt – sozusagen als Freizeitausgleich. Hier nun ein paar Reisenotizen aus dem Land der unbegrenzten Golfmöglichkeiten.

    • Wenn ein Golfclub zwei Kurse hat, dann sollte man sich vor dem Abschlag am ersten Tee immer versichern, dass man auch auf dem richtigen Platz ist. Ich habe das bei meinem Besuch im Stone Mountain Park(Georgia) nämlich nicht getan. Dementsprechend stand ich plötzlich ziemlich dumm zwischen zwei Turnier-Flights gequetscht auf Bahn 1 des Lakemont Course herum. Die Reaktion der beiden Typen, die mir folgten, war ziemlich nett: Sie adoptierten mich in ihr Team. Ich dankte es ihnen mit einem 10-Meter-Eagle-Putt, einem schönen Birdie-Chip-in und fast (aber nur fast) einem Hole-In-One. Zum Glück hatte nicht nur ich einen guten Tag, sondern auch meine Gefährten – wir gewannen das Turnier mit einer 62-Scramble-Runde. Also eigentlich ist es doch ganz gut, mal auf dem falschen Platz zu starten.

      gewinner

      So sehen Gewinner am Stone Mountain aus.

    • So nah und doch so fern: Augusta war mein erster Halt nach der Landung in Atlanta. Natürlich stand ich beim Augusta National Golf Club vor verschlossenen Türen. Dafür stattete ich jedoch den Public Courses Bartram Trail und Forest Hills einen Besuch ab. Lohnt sich. Auch wenn es kein grünes Jackett gibt. Meinen SPON-Artikel zum Augusta-Ausflug kann man hier lesen.
    • Wer seine Schläger in Deutschland kauft, ist selber schuld! Inzwischen bin ich schon Stammgast bei Dick’s Sporting Goods. Die Ladenkette ist eigentlich in allen semi-großen US-Städten zu finden und die Filialen sind mit riesigen Golfabteilungen ausgestattet. Ich legte mir in Atlanta am ersten Morgen ein Standbag von Slazenger, 30 Noodle-Bälle, einen Eisensatz Callaway Diablo Edge und einen Cleveland SL290-Driver zu. Kostenpunkt für das ganze Geraffel: etwas über 500 Dollar.
    • Nicht so unüblich: Südstaatengolfer tragen manchmal auch Schusswaffen im Golfbag. Wegen der Klapperschlangen und so.
    • Wer Kautabak auf der Runde angeboten bekommt, sollte dankend ablehnen.
    • Der coolste Greenkeeper aller Zeiten arbeitet im Harlan Country Club in Kentucky. Ich hab nur zehn Prozent seiner Wortbeiträge verstanden, aber er scheint ein sehr netter Kerl zu sein, der seinen Platz liebt.
    • Lexington in Kentucky ist für mich die windigste Stadt der Welt. Ehrlich. Die Runde im Kearney Hills Golf Club war recht verweht und verwegen. Zum Glück hatte mein Spielgefährte keine Knarre, sondern reichlich Kentucky-Bourbon im Gepäck.

Schlechter Stil in Wiesbaden

UPDATE: “Heinz” hat sich gemeldet und entschuldigt. Damit ist die Sache erledigt.

Eigentlich wollte ich nach den beiden Artikeln (eins und zwei) zum Thema Deutscher Golf Verband auf golfnerd.de einen kleinen Reisebericht zu meinen Golferfahrungen in den Südstaaten der USA veröffentlichen. Eigentlich. Und dann bat mich heute mein WordPress doch bitte folgenden Kommentar zu meinem Text “Und auf einmal war alles andere nicht wichtig” zu genehmigen:

“Als ob sie irgendjemand vermisst hätte”

Ich habe ihn genehmigt. Der nette Hinweis steht nun unter der Geschichte über den Diebstahl meines Autos und meiner Golfschläger kurz vor Weihnachten – und wie mein Blog dadurch pausieren musste.

Der Verfasser des Kommentars nennt sich “Heinz” und gab die fiktive Email-Adresse besserwisser@blablabla.de an. Er dachte wohl, er sei nun anonym. Dumm nur, dass ich seine IP-Adresse habe:

IP: 88.79.xxx.xx , mail.dgv.golf.de

Solche Aktionen sind natürlich auch eine Art, mit Kritik umzugehen, lieber DGV. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum man sich auf golf.de namentlich registrieren muss, um die Artikel dort kommentieren.

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Screenshot: uTrace

 

Olympische Gedanken: Im DGVeuer der Eitelkeiten

Beim 94. Ordentlichen Verbandstag des Deutschen Golf Verbands wurde den Anwesenden doch tatsächlich eine echte olympische Goldmedaille gezeigt. Glaubt man dem DGV-Sprachrohr golf.de, dann erntete der Bobfahrer André Lange hierfür “ein respektvolles Raunen vom Saal”. Die Vision Gold sei angesichts des Edelmetalls greifbarer geworden, heißt es.

Doch was ist eigentlich diese Vison Gold? Sie ist vor allem Blendwerk.

Medaillen möchte man bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro gewinnen und die DGV-Granden entwickeln dafür einen nationalen Ehrgeiz chinesischen Ausmaßes. Da werden Elite-, National- und Junior-Teams für Germany, äh, Deutschland aufgestellt und eine neue Golf Liga ins Leben gerufen.

DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer spricht von einem neuen Zeitalter im deutschen Golfsport, weil Profis und Amateure in gemeinsamen Teams spielen.

Klingt ja eigentlich gut, ist aber ziemlicher Mumpitz. Denn die Qualifikation für Olympia erfolgt über die Weltrangliste der Profis – deshalb stehen zurzeit auch nur Berufsspieler (Siem, Gal, Kaymer, Masson) im vierköpfigen Elite Team, das 2016 nach Rio fahren darf. Und daran wird sich meiner Meinung auch nichts ändern.

Natürlich wird argumentiert, dass die neue und viel intensivere Förderung der großen deutschen Talente den Übergang von Amateur zu Profi erleichtert. Es werden laut Pressemitteilung ” die Besten der Besten in das System” integriert. Eliten braucht das Land.

Das sind tolle Töne, die da von Seiten des DGV gespuckt werden. Damit würde sich nämlich ein kleiner Sinneswandel innerhalb des Verbands abzeichnen. Dieser war bislang eher dafür bekannt, seine Amateure häufig fallen zu lassen, sobald sie den Schritt in den Berufssport wagen. Und wenn man manchen Erzählungen glauben mag, dann wurde jungen Athleten mit solchen Flausen von Seiten der ambitionierten Funktionäre auch gerne die Pistole auf die Brust gesetzt.

Fakt ist, dass Amateurspieler der hiesigen Topclubs häufiger in Fünfsterne-Hotels absteigen als Rookies auf der Tour. Die Förderung junger Talente endete in Deutschland meist, wenn sie in die harte Berufswelt des Profigolfs eintauchten. Für die Clubs und den DGV hatten sie in diesem Moment ihre Schuldigkeit getan. Das sind zumindest die Geschichten, die ich in letzter Zeit wieder gehört habe.

Eine entscheidende Frage ist: Was möchte der DGV mit seiner neuen Qualitätsoffensive erreichen? Gold, Silber und Bronze. Klar. Und was noch? Etwa einen deutschen Golfboom? Ich hoffe nicht, denn das wird auch mit einem Platz auf dem Treppchen nicht passieren.

Man muss kein Prophet sein: Es wird keine Live-Übertragungen im deutschen Free-TV von den Turnierrunden geben. Im besten Fall werden wir nur eine Siegerehrung sehen. Die Öffentlichkeitswirkung auf die dem Golf bislang nicht zugeneigte Republik geht gegen Null.

Und werden die Kinder in Zukunft mehr Gas geben, um besser Golf zu spielen? Wohl kaum. Es wird immer reizvoller sein, als Profi Majors zu gewinnen. Davon werden sie träumen. Eine Olympia-Medaille wird – bei erfolgreicher Karriere – nur ein schickes Anhängsel für die Sammlung sein (siehe die Trophäenschränke der US-amerikanischen NBA-Spieler).

In meinen Augen ist die Vision beziehungsweise Gier nach Gold nur den Eitelkeiten der Verbandsoberen mit ihrer unterschiedlichen Interessen geschuldet. Man möchte sich im Erfolg sonnen und sich diesen dann wohlmöglich auch noch selbst zuschreiben.

Ich freue mich jetzt schon, wenn Eicko Schulz-Hanßen, DGV-Vizepräsident und hauptberuflicher Geschäftsführer des Golfclub St. Leon-Rot, bei einem Olympiatriumph stolz auf das 2012 in Betrieb genommene DGV-Leistungszentrum in dem von ihm gemanagten Club hinweist. Allerdings wird die Doppelspitze dann wohl aber die Geschichte vergessen zu erzählen, als er einen St-Leon-Rot-Spieler für einige Zeit vom Mannschaftsbetrieb ausschloss, weil dieser direkt im Anschluss an einen DGV-Lehrgang mit einem Deutschland-Bag und nicht mit dem Club-Bag auf die Driving Range kam. Man muss halt Prioritäten setzen.