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I am a serial golfer!

Es ist eine erschreckende Erkenntnis: Ich bin ein pathologischer Golfer und mein nächster Verwandter aus dem Handbuch der Psychologie ist der Serienkiller. Die Gemeinsamkeiten zwischen meiner Wenigkeit und dem mordenden Menschenschlag sind nicht zu leugnen.

Das erste Mal
Wahrscheinlich schlummerte der Golfer schon immer in mir. Er musste nur ans Tageslicht gebracht werden. Die Hemmschwelle, den Sport einmal auszuprobieren, war groß, doch irgendwann stand ich auf der Driving Range. Ein einziges, gut getroffenes Eisen reichte  aus, danach konnte ich dieses Gefühl nicht mehr vergessen und wollte es immer wieder erleben. Dem Serienkiller geht es ähnlich. Bis zum ersten Opfer ist es ein weiter Weg, danach fällt das Töten leichter und man wird ständig besser darin. Letzteres trifft in meinem Fall nur bedingt zu.

Das Sammeln von Trophäen
So wie der der Serienkiller Schmuckstücke, Haarlocken oder ganze Körperteile von seinen Opfern sammelt und aufhebt, so finden sich in meinem Regal Logobälle, Scorekarten und merkwürdige Nettopreise. Dank dieser “Trophäen” kann ich die Erinnerung an eine Golfrunde, einen schicken Platz oder ein Turnier immer wieder sehr lebendig in mein Gedächtnis rufen.

Das Filmen und Fotografieren
Serienkiller haben häufig die unangenehme Angewohnheit ihre Taten in Film und Foto festzuhalten. Golfer machen es genauso. Sei es der verschobene Birdieputt, der traumhafte Abschlag oder die verwackelte Schwunganalyse – alles wird digital aufgehoben und immer und immer wieder angeschaut. Warum? Natürlich um das Gesehene erneut zu durchleben – und die Wartezeit auf das nächste Opfer, pardon, die nächste Runde Golf erträglich zu machen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich dieses Golfblog überhaupt betreibe.

Die Werkzeuge
Manch ein Serienkiller bevorzugt das Messer, ein anderer die Axt oder einen Damenstrumpf, um seine Opfer ins Jenseits zu befördern. Egal welches Werkzeug sie für ihre verabscheuungswürdigen Taten benutzen, sie alle pflegen einen ordentlichen Fetisch darum. Mir geht es ähnlich mit meinen Golfschlägern und sogar mit den Bällen. Sie werden von mir gehegt und gepflegt, vor Turnieren geputzt und mit Namen versehen. Sie sind mein wichtigstes Hab und Gut, ohne sie bin ich nichts.

Das Doppelleben
Serienkiller führen ein Doppelleben. Ich auch. Dass ich Golf spiele, binde ich nicht gleich jedem auf die Nase. Es gibt zu viele Vorurteile gegenüber meinem Sport. Ich praktiziere lieber im Geheimen. Für viele bin ich deshalb der nette, nicht mehr ganz so junge Mann von nebenan. Ein fürsorglicher Familienvater, der immer freundlich grüßt. Ich, ein Golfer? Kaum einer würde das vermuten.

Die Abstände werden kürzer
Ist die Runde gespielt, denke ich schon daran, wann ich die nächste Runde spielen kann. War es früher in der nächsten Woche, so ist nun der nächste Tag, der Nachmittag oder sofort im Anschluss. Tage mit 45 oder 54 Löchern sind keine Seltenheit mehr. Ich will spielen. Immer. Mehr. Und das führt zu der Erkenntnis: …

Es gibt keinen Schmerz
Wund im Schritt, die Achillessehnen gereizt, das Knie geschwollen und das Ellbogengelenk entzündet – egal. Ich spüre auf dem Platz nichts, Schmerz empfinde ich beim Golf spielen nur, wenn mein Ball jenseits der Ausgrenze verschwindet oder ich einen Dreiputt fabriziere. Ich lebe in meiner eigenen Welt.

Der Wahnsinn
Auf dem Golfplatz bin ich irre. Ich rede mit mir selbst, mit dem Ball, mit den Schlägern. Ich sage “Fuck you” zum Grün und zeige einer Baumreihe lächelnd den Mittelfinger, wenn ich es geschafft habe, mit einem Holz 3 durch sie durch zu spielen. Vor dem Schwung summe ich merkwürdige Glücksmelodien, manchmal kommentiere ich selber mein Spiel und imitiere gleichzeitig die Begeisterungsstürme des unsichtbaren Publikums. Unheimlich. Wer mich dabei beobachtet, würde mich für wahnsinnig halten. Und das bin ich einfach auch. Ich bin ein Serial Golfer!

8 Gedanken zu „I am a serial golfer!“

  1. Ganz ehrlich, Denis? Ich weiß nicht, ob ich eine wetterbedingte Sommerdepression habe, mit dem Alter einfach humorbefreiter werde oder grundsätzlich zu sensibel bin, aber diesen Vergleich Golf – Serienkiller finde ich auch gerade nach den Ereignissen der letzten Wochen nur geschmacklos. My 0.02 cents.

  2. Ich glaube, du wirst zu sensibel. :) Wie viele Wochen muss man den warten, um so etwas zu schreiben? Wann darf man wieder die political correctness aus dem Fenster werfen? Darf ich noch “Dexter” gucken? Oder “Das Schweigen der Lämmer”?
    Der Massenmord in Norwegen war und ist tragisch. Aber damit hat dieser Text nun wahrlich nichts zu tun.
    Nichtdestotrotz habe ich gelernt, dass man jeden Pfennig wertschätzen soll. Und natürlich auch jede 2 Cent.

  3. Ich konnte diese Themengebiete ebenfalls trennen und habe mich bei den meisten Vergleichen wiedergefunden. Auf so etwas muss man erst mal kommen, aber das denkt man bei Helge Schneider und Konsorten ja auch! Ich finde den Beitrag genial!

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