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Gefährlicher Leberhaken ODER Wie der Golfchannel zum Medikamentenmissbrauch motiviert

„Dr. Ara is who I trust for all my medical needs“, sagt Henrik Stenson. Und auch die Kollegen Justin Rose, Ian Poulter, Steve Stricker, Hunter Mahan, Gary Woodland und Vijay Singh sind voll des Lobes, wenn es um die fachliche Kompetenz des Mediziners Dr. Ara Suppiah geht. Dementsprechend beliebt ist er auch beim US-Sender „Golfchannel“ als Gesundheitsexperte fürs Frühstücksfernsehen (siehe Video unten).

Und dort darf der Mann so unglaublich aus dem Medizinkästchen der Golfstars plaudern, dass man sofort Stenson & Co. anrufen möchte, um sie zu fragen, welcher Teufel sie da eigentlich gerade reitet.

Dr. Ara empfiehlt nämlich nicht nur seinen Playing Professionals, sondern auch den Golfchannel-Zuschauern (klassisch etwas ältere Semester) einen höchst gefährlichen Schmerzmittel-Cocktail.

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Der gefährliche Schmerzmittel-Cocktail. (Screenshot: Golfchannel.com)

Sie sollen einfach Tylenol (der US-Name für Paracetamol) und Ibuprofen gemeinsam einnehmen. Und zwar hochdosiert. Dazu wird auch noch das angebliche Medikamentenbeutelchen der Ara-Spieler samt Dosierungsanleitung eingeblendet. Dort taucht noch ein drittes Schmerzmittel auf – Naproxen.

Hält man sich an den Ratschlag des Doktors dann, kommt man so am Tag auf 6 Gramm Paracetamol, 5,4 Gramm Ibuprofen und 2 Gramm Naproxen. Einzunehmen bei Fieber oder Schmerzen. Also zum Beispiel, wenn man auf einem Golftrip oder während eines Turniers nach drei Runden Gelenkschmerzen hat.

Dr. Aras Spieler wüssten in diesen Fällen immer Bescheid, was zu tun sei. „They know the Drill“, sagt Dr. Ara.

Ich habe gewisse Erfahrungen mit Schmerzmittelmissbrauch. Deshalb gingen bei diesem TV-Beitrag bei mir die Alarmglocken an. Aber ich bin kein Mediziner. Aus diesem Grund fragte ich meine Ex-Kollegen im Gesundheitsressort von SPIEGEL ONLINE um ihre Meinung zu diesem TV-Beitrag.

Als Antwort bekam ich unter anderem den Link zum SPON-Artikel „Gefahr für die Gesundheit: Schmerzmittel-Wahn im Freizeitsport“. Der Text von Christian Gruber verwies auch auf eine Veröffentlichung im „Deutschen Ärzteblatt“ des Pharmakologieprofessors Kay Brune.

Hier ein paar erhellende Passagen aus dem SPON-Artikel:

„Auch Paracetamol, ein Mittel, auf das viele Sportler schwören, weil es angeblich beim Muskelaufbau hilft, wirkt nach Ansicht der Pharmakologen bei Gelenk- und Muskelschmerzen nur schlecht. Oft werde von Ausdauersportlern die erlaubte Tagesmenge von vier Gramm überschritten. Dann nimmt die Leber Schaden, ab einer Dosis von mehr als acht Gramm kann es zu einem tödlichen Leberversagen kommen.“

„Ebenso helfen die schmerz- und entzündungshemmenden Medikamente Diclofenac und Ibuprofen während der Anstrengung nur mäßig und verhindern nach dem Wettkampf Muskel- und Gelenkschmerzen nicht zuverlässig. Zudem können sie während des Sports Niere sowie Magen-Darm-Trakt schädigen. Die Muskelschäden würden jedoch nicht verhindert.“

„Für eine sinnvolle Schmerztherapie empfiehlt Brune jedoch höchstens 400 Milligramm Ibuprofen oder 50 Milligramm Diclofenac – aber erst nach dem Lauf. In jedem Fall sollten die Medikamente mit genügend Flüssigkeit und Ruhe geschluckt werden.“

Sprich: Jeder, der den Ratschlag von Dr. Ara befolgt, riskiert massive Nieren- und Leberschäden. Insbesondere, da hier drei Schmerzmittel gleichzeitig völlig überdosiert werden.

Zwar gibt es einen verschämten Hinweis des Doktors auf die möglichen Nebenwirkungen und die obligatorische Aufforderung, man solle doch bitte seinen Arzt vor der Einnahme des Cocktails fragen, ob der einem gut tut, doch dieses ist im Land der unbegrenzten Produkthaftung wohl eher möglichen Schadensersatzprozessen geschuldet.

PS: Dr. Ara hat auf seiner Webseite noch einen weiteren tollen Tipp für Amateurgolfer.

Common cold skyrocketing your score?
For you NON–pros, consider a nasal decongestant that contains pseudo ephedrine or a Vicks inhaler for the fastest results.Anti-doping rules make my job a little tougher for my pros because both of these substances are banned.  Anti doping rules are complicated and we need to assess each substance on a case by case basis.“

Hier der Teil der Sendung, den ich für unverantwortlich halte.

 

11 Gedanken zu „Gefährlicher Leberhaken ODER Wie der Golfchannel zum Medikamentenmissbrauch motiviert“

  1. Der ruft ja auf seiner Webseite zum Doping auf…in den USA hat man allerdings ein etwas “entspannteres” Verhältnis zu starken Medikamenten…warum auch immer.

  2. Neben den richtigerweise aufgeführten Risiken der Substanzen, die in der angeführten Dosis absolut kunstfehlerhaft empfohlen sind, sollte auch der negative Effekt auf das Spiel von ibuprofen und auch diclofenac erwähnt werden. Beide Substanzen wirken sicher schnerzstillend, hinzu kommt aber der unschöne Nebeneffekt, dass die Tiefenwahrnehmung der Muskeln und Teile der Koordination gestört werden. Man spielt schlicht und ergreifend schlechter! Nebenbei lässt diese Auskunft des Menschen, den ich schwerlich als Kollegen bezeichnen kann, tief blicken in den Leistungssport Golf und die genannten Athleten. Auch dort wird gedopt, und die genannten sollte man als erste regelmäßig prüfen… schade aber wohl blauäugig zu glauben, Golf sei sauber….

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