Alle Beiträge von Denis Krick

rorymalaysia

Malaysian Open: Das Masters vergessen

Bei den Maybank Malaysian Open (2.5 Millionen US-Dollar Preisgeld) treffen in dieser Woche drei Spieler aufeinander, die direkt nach dem Masters einiges aufzuarbeiten haben. Rory McIlroy muss seine furchtbare Finalrunde von Augusta vergessen. Charl Schwartzel muss aus dem Freudentaumel eines Masters-Champion erwachen. Und Martin Kaymer muss zeigen, warum er zu Recht die Nummer 1 der Weltrangliste ist und der verpasste Cut in der vergangenen Woche nur ein Ausrutscher war.

Rory McIlroy, der über Twitter derzeit reichlich gute Laune verbreitet, und Martin Kaymer spielen an den ersten beiden Turniertagen in Kuala Lumpur zusammen mit dem Thailänder Thonchai Jaidee. Schwartzel geht mit seinem südafrikanischen Landsmann und amtierenden Open-Champion Louis Oosthuizen sowie dem Sieger der letztjährigen Malaysian Open, Seung-yul Noh, an den Abschlag.

PS: Wer sich übrigens fragt, warum Kaymer, McIlroy und ein paar andere Topspieler den langen Weg für das Turnier bewältigt haben … es gab wohl stattliche Antrittsgelder, die es locker mit dem Preisgeld für den ersten Platz (288.465 Euro) aufnehmen können.

Hier geht es zur offziellen Turnier-Webseite.

Werbung oder Artikel? Ausriss aus "Golf Journal" 4/11

Schleichender Verdacht

Beim Golf gibt es jede Menge Regeln, die es einzuhalten gilt. Und die meisten Golfer sind sehr darauf bedacht, diese auch zu befolgen. Wehe demjenigen, der sie bricht. Der Journalismus hat auch einige Regeln. Eine besagt, dass man redaktionelle Inhalte und Werbung strikt trennen muss. Komischerweise halten sich aber gerade die deutschen Golfzeitschriften nicht unbedingt an diesen Grundsatz.

Jüngstes Beispiel ist die aktuelle April-Ausgabe des “Golf Journal” aus dem Atlas Verlag. Gleich an mehreren Stellen kommt der Verdacht auf, dass hier nicht wirklich zwischen Anzeige und redaktionellem Text ein sauberer Strich gezogen wurde.

Werbung oder Artikel? Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!
Werbung oder Artikel? Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!

So findet sich in der Rubrik “Szene” auf Seite 105 ein Artikel über das Hartl Resort Bad Griesbach mit der Überschrift “Saisonstart im bayrischen Golfdorado”. Dieser trägt alle typischen Merkmale eines Advertorials, also eines gekauften Textes im redaktionellen Gewand. Das Logo des Resorts ist gut sichtbar platziert, die Hotelnamen werden völlig unüblich mit der Anzahl ihrer Sterne ausgeschrieben, der Sprachstil des Artikels ähnelt einer Werbebroschüre. Dazu finden sich detaillierte Informationen zu Preisen und Aktionen. Normalerweise müsste diese Seite mit dem gut sichtbaren Zusatz “Anzeige” versehen werden, doch diesen Hinweis sucht der Leser vergebens.

Noch merkwürdiger verhält es sich mit einem vierseitigen Artikel über den Laureus World Sports Award 2011. Einer der Hauptsponsoren dieser Veranstaltung ist der Autohersteller Mercedes-Benz, der auch in dem Text von Philipp von Schönborn noch einmal in einem Infokasten eine besondere Behandlung erfährt. Dort wird in allerfeinster Marketingsprache (die Hälfte des Ergusses stammt schließlich aus der offiziellen Pressemitteilung des Automobilherstellers) das Engagement des Unternehmens im Golfsport erklärt. Der Verdacht liegt sehr nahe, dass diese Hofberichterstattung mit einer doppelseitigen Anzeige von Mercedes-Benz auf den Seiten 86/87 zusammenhängt.

Mercedes-Benz ist toll. Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!
Mercedes-Benz ist toll. Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!

Die Firma Titleist schaltete ebenfalls für den Monat April eine doppelseitige Anzeige im “Golf Journal” und bewirbt dort ihre neuen Bälle Pro V1 und Pro V1x. Ausgerechnet diese werden dann in einem einseitigen Testbericht euphorisch abgefeiert. Es bedarf keines Schelmes, dabei etwas Böses zu denken.

Das “Golfmagazin” aus dem Jahr Top Special Verlag macht es auf dem ersten Blick besser als die Konkurrenz. Advertorials wie der “Golf Fee Card Newsletter” (S. 115 – 120) oder über das “Drei Thermen Golfresort Bad Bellingen” (S.110 – 111) sind als Anzeige gekennzeichnet. Doch auf dem zweiten Blick sieht auch bei dem Hamburger Magazin nicht alles ganz sauber aus.

So wird in einem langen Artikel über die Preisverleihung des “Golfmagazin Award 2011″ berichtet (wer einen Eindruck von dieser grandiosen Feier erhaschen möchte, dem sei dieses Video empfohlen). Angeblich haben 2000 Leser und User darüber abgestimmt, wer in den jeweiligen Kategorien gewinnt. Da ist es schon ein irrer Zufall, dass die Auszeichnungen relativ gerecht auf die unterschiedlichen Sportartikler beziehungsweise Anzeigenkunden verteilt werden. Es entsteht ein Geschmäckle. Auch weil sich der Preisträger Golfregion Algarve (zum vierten Mal in Folge Award-Gewinner) mit einer doppelseitigen Anzeige im Heft für die Auszeichnung bedankt.

Lustigerweise ist eine längere Reisegeschichte des “Golfmagazins” dann auch dem Thema Portugal gewidmet. Gleich daneben findet sich unter “Reise News” ein kleiner Ausflugstipp fürs Wochenende in das A-Rosa-Hotel Travemünde. A-Rosa gewann übrigens in diesem Jahr den Award für das beste Sporthotel – und bedankte sich ebenfalls mit einer schicken Anzeige.

Kritisch zu betrachten sind auch “Die PGA-Seiten”. Hier präsentiert sich regelmäßig auf zwei Seiten der Dachverband der deutschen Golfprofessionals – und darf seine Nachrichten verbreiten. Diese klingen allerdings stellenweise wie reine Werbung für den eingetragenen Verein. In wie weit das “Golfmagazin” von der PGA of Germany dafür Geld erhält ist nicht klar. Unbestritten ist jedoch, dass Mitglieder des Verbandes automatisch ein Abo des Heftes beziehen.

Vor mehreren Jahren veröffentlichte die PGA of Germany übrigens in “Golf spielen”, einer Beilage der “Süddeutschen Zeitung”, ebenfalls regelmäßig ihre Verbandsnachrichten. Unter anderem wurde eine Pressemitteilung der PGA von der Redaktion unbearbeitet abgedruckt. Zeitgleich schrieb die Journalistenikone Hans Leyendecker auf der Medienseite der “Süddeutschen” über die Verquickung von Werbung und redaktionellen Texten. Als man ihn darauf aufmerksam machte, dass er vielleicht mal im eigenen Verlagshaus nachschauen sollte, versprach er dieses zu tun. In der darauffolgenden Ausgabe von “golf spielen” prangte über den Seiten der PGA ein kleiner Hinweis: “Anzeige”.

david-feherty

Guck mal, wer da spricht

David Feherty ist wahrscheinlich der beste Golfkommentator der Welt beziehungsweise des Universums. Zumindest ist der Nordire der witzigste seiner Zunft (auch wenn er sich beim Masters in einem Akt freiwilliger Selbstkontrolle ein wenig zurückhielt). Leider gibt es so einen nicht in Deutsch.

 Jahrelang litt Feherty unter starken Despressionen und Alkoholismus, inzwischen hat er sich gefangen. Unter anderem  macht das Lästermaul Werbung für Cobra Golf. In dieser Funktion hat er einige verdammt komische Spots produziert. Auch das jüngste Filmchen (siehe unten) mit Feherty ist durchaus sehenswert. Der 52-Jährige lauert armen Amateurgolfern am Abschlag auf und kommentiert deren Golfspiel. Keine neue Idee, aber immer wieder gut.

Anbei  noch ein herrliches Radiointerview mit Feherty zum Finaltag des Masters. Großartig!

Der neue Cobra-Spot mit Feherty:

mastersschwarzel

Als der Witz Wirklichkeit wurde

Charl Schwartzel (aka “the skinny guy” wie ihn einige US-Reporter gerne nennen) hat das US Masters 2011 gewonnen. Birdie, Birdie, Birdie, Birdie auf den letzten vier Löchern sicherten ihm den Sieg. Zuletzt gelang dieses Kunststück Jack Nicklaus (aka “the golden bear”). Herzlichen Glückwunsch!

Rory McIlroy (aka “der irische Pudelkopf” wie ich ihn gerne nenne), der vor dem Finale das Feld anführte, zeigte Nerven und machte sogar während der Runde auf der Suche nach seinem Ball spontane Hausbesuche.

Hier noch mal eine Menge Highlights der letzten Runde als Video.

Hier die traditionelle Green-Jacket-Zeremonie.

Und zum Schluss ein Interview mit dem frischgebackenen Masters-Sieger und die Erklärung für die Überschrift dieses Postings.

By the way, Rory … you are not alone. Ask Greg Norman (aka “the great white shark”).

taratwitter

No dogs, no women!

Endlich, ein kleiner Skandal während des Masters. Der Reporterin Tara Sullivan verwehrte  nach der dritten Runde ein Wachmann den Zugang zu einem Pressetermin im Umkleideraum der Spieler. Der Rausschmiss wurde damit begründet, dass Frauen im Augusta National Golf Club nix zu suchen haben. Sullivan entging aufgrund dieser Engstirnigkeit ein Interview mit Rory McIlroy, der zu dem Zeitpunkt das Feld anführte.

Der Club hat sich inzwischen für den Vorfall entschuldigt und schiebt alles auf den Wachmann (der ebenfalls eine Frau war), welcher eh nur ausgeliehen war.

UPDATE: Tara Sullivan schreibt über den Vorfall in einer Kolumne.

tigerlike

Warum ich plötzlich Tiger-Fan bin

Jahrelang konnte ich Tiger Woods nichts abgewinnen. Der Mann war in seiner Perfektion einfach langweilig. Jedesmal wenn die damalige Nummer 1 im Golf einen Schlag versemmelte, freute ich mich deshalb in meinem Kämmerlein darüber. Natürlich folgte im Anschluss an das Missgeschick immer ein Wunderschwung, der alles gerade rückte und letztendlich doch irgendwie zum Turniersieg führte. Fast hätte man annehmen können, Tiger streue solche Fehler mit Absicht ein, nur um dann ordenlich mit seinem Können angeben zu können. Der Mann war die Pest. Eine Art FC Bayern München des Golfsports.

Die Zeiten haben sich geändert. Tigers Ex-Frau kann bestätigen, dass der Kerl alles andere als perfekt ist. Die diversen außerehelichen Affären (von denen angeblich im Medienzirkus PGA Tour keiner was gewusst hat bzw. die niemand gepetzt hat) machen deutlich: Tiger ist tatsächlich auch nur ein Mensch. Und das sieht man inzwischen seinem Golfspiel an.

Seit dem Sexskandal zeigt die Formkurve nach unten, mit den Turniersiegen läuft es nicht so und über die Majors wollen wir gar nicht erst reden. Tiger steckt in der Krise, das wurmt ihn sichtlich. Und genau jetzt erwische ich mich regelmäßig dabei, wie mein Herz für den ehemals besten Golfer der Welt schlägt.

Woods zeigt inzwischen Emotionen jenseits der legendären Tigerfaust. Nach all den Lügen in seinem Leben und der perfekten Marketingshow, lässt der Tiger derzeit tief in sein Seelenleben blicken. Er haut seinen Driver regelmäßig vor Wut in den Abschlag, flüchtet sich in Sarkasmus und lacht selbstironisch laut auf, wenn er mal wieder die Wälder und nicht das Fairway findet. Läuft ein guter Putt knapp am Loch vorbei, dann sieht man ihm die grenzenlose Enttäuschung an. Mir geht häufig genauso wie ihm und deshalb fühle ich mit. Und aus diesem Grund freue ich mich auch über jedes seiner Birdies und  Eagles.

Wenn es nach mir geht, sollte Tiger heute abend das Masters gewinnen. Mit Sicherheit mache ich dann die Tigerfaust in meinem Wohnzimmer.

PS: Falls übrigens jetzt jemand glaubt, ich würde derzeit den schwächelnden FC Bayern München gut finden … großer Irrtum. So schlecht können die überhaupt nicht spielen, dass ich Sympathie empfinde.

monty

Für immer Verlierer

Bei den US Open 2006 war Monty ganz nah dran. Fast hätte er es geschafft. Aber dann spielte er auf der 18. Bahn in Winged Foot nur Grützwurst. Ich stand damals am Grün und durfte live miterleben wie der Schotte nach einem guten Drive sich selbst um den Sieg brachte. Als Colin Montgomery an mir vorbeirannte, habe ich die Wut, die Enttäuschung und Traurigkeit eines Weltklassegolfers gesehen, der nie ein Major gewonnen hat und doch ganz nah dran war. Doch Monty ist nicht allein. Joe Posnanski von Sports Illustrated schreibt über die Leidensgenossen des Schotten und hat eine Top-10 der besten Golfer aufgestellt, die nie ein Major in ihrer Karriere gewonnen haben.

Montys Meltdown bei den US Open 2006:

2006 US Open – Monty

kaymershrink

In Treatment: Martin Kaymer

Hinterher ist man immer klüger, aber eigentlich hörte man schon im Vorfeld des Masters die Alarmglocken schrillen. Warum er an seinem Schwung herumgeschraubt hätte, wurde der Noch-Weltranglistenerste vor dem Beginn des Major-Turniers in der offiziellen Pressekonferenz gefragt. Er habe bislang dreimal den Cut nicht geschafft, sagte Kaymer. Irgendwas müsse man ja ändern. Nach der katastrophalen ersten Runde mit 6 über Par wurde er noch deutlicher. Er sei mit seinem Latein am Ende, gab Kaymer im Sky-Interview zu verstehen. Vielleicht könne ihm Bernhard Langer noch einen entscheidenen Tipp geben wie man diesen Platz spielt. Mit einem Lächeln versuchte der Mettmanner dann, seine komplette Ratlosigkeit in Sachen Masters zu überspielen. Vergeblich.

Nach der zweiten Runde (Even Par) ist nun der Cut zum vierten Mal in Folge nicht geschafft. Und schuld ist eindeutig nicht Kaymers Technik. Vielmehr scheint das Scheitern in diesem Jahr ein mentales Problem zu sein. Der Druck, der auf einer Nummer der 1 der Welt lastet, ist damit allerdings nicht gemeint. Kaymer hat Angst vor Augusta National und diese lähmt sein Spiel. So lautet zumindest die Ferndiagnose. Drives, Putts, Eisen ins Grün – dem 26-Jährigen gelang nur selten etwas an den vergangenen zwei Tagen. Andere Profis mit weniger Talent hatten da weniger Schwierigkeiten.

Wenn Kaymer im kommenden Jahr auch am Wochenende in Augusta aufteen möchte, gibt es meiner Meinung nach nur eine Lösung: Er muss den Respekt vor dem Platz und dessen Tücken ablegen. Wenn er schlau ist, dann kehrt in diesem Jahr nicht nur einmal auf den Masters-Kurs zurück. So oft es geht, sollte er in den Privatjet steigen, nach Georgia fliegen und hier spielen. Egal ob mit Freunden, alleine oder den mit Sicherheit hoch erfreuten Clubmitgliedern des Augusta National. Eine Runde auf diesem Golfplatz muss zur Routine und zu einer angenehmen Beschäftigung werden. Nur so verlieren die 18 Löcher ihren Schrecken. Und nur so kann Kaymer mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit im kommenden Jahr wieder beim Masters antreten – und mit Sicherheit den Cut schaffen.

Just my two cents.

paddie

Neue Regel: Unwissenheit schützt vor Strafe

Ein aufmerksamer Fernsehzuschauer mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn sorgte im Januar dieses Jahres dafür, dass Padraig Harrington beim European-Tour-Event in Abu Dhabi disqualifiziert wurde. Der Ball des Iren hatte sich beim Makieren unmerklich bewegt. Dem Profigolfer fiel dieses nicht auf, dem TV-Zuschauer dank HD schon. Ein Anruf des Adlerauges später und Harrington durfte nicht mehr mitspielen. Dumm gelaufen. Die schöne 65 in der ersten Runde war wertlos.

Damit so etwas nicht noch einmal passiert, haben sich R&A und die USGA auf eine Regeländerung geeinigt, die mit sofortiger Wirkung zum Masters in Kraft tritt. Man kann jetzt nicht mehr für Dinge, die man unmöglich wissen kann, disqualifiziert werden. Eher gibt es Strafschläge. Hätte übrigens diese Petze von TV-Zuschauer auch verdient gehabt …

Hier noch einmal das Drama von Abu Dhabi als Youtube-Video: