Archiv der Kategorie: DGV

Barrierefreies Golf

Arizona Sedona

In Sachen “Wie generieren wir mehr Golfspieler” fühle mich inzwischen wie eine tibetanische Gebetsmühle, aber man kann es eigentlich nicht oft genug sagen, schreiben und schreien: Wer hierzulande auf den Platz möchte, dem wird noch immer das Leben schwer gemacht. Beispiele gefällig? Sehr gerne.

Der Klassiker: die Platzreife

Die Platzreifeprüfung ist ein grausames Relikt deutscher Bürokratie. Sie gehört abgeschafft. Der “Führerschein” für Neu-Golfer soll dafür sorgen, dass diese ein Minimum an golferischen Können an den Tag legen, die Regeln und die Etikette kennen. Soweit die Grundidee. Und die Realität? Bullshit.

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Schlechter Stil in Wiesbaden

UPDATE: “Heinz” hat sich gemeldet und entschuldigt. Damit ist die Sache erledigt.

Eigentlich wollte ich nach den beiden Artikeln (eins und zwei) zum Thema Deutscher Golf Verband auf golfnerd.de einen kleinen Reisebericht zu meinen Golferfahrungen in den Südstaaten der USA veröffentlichen. Eigentlich. Und dann bat mich heute mein WordPress doch bitte folgenden Kommentar zu meinem Text “Und auf einmal war alles andere nicht wichtig” zu genehmigen:

“Als ob sie irgendjemand vermisst hätte”

Ich habe ihn genehmigt. Der nette Hinweis steht nun unter der Geschichte über den Diebstahl meines Autos und meiner Golfschläger kurz vor Weihnachten – und wie mein Blog dadurch pausieren musste.

Der Verfasser des Kommentars nennt sich “Heinz” und gab die fiktive Email-Adresse besserwisser@blablabla.de an. Er dachte wohl, er sei nun anonym. Dumm nur, dass ich seine IP-Adresse habe:

IP: 88.79.xxx.xx , mail.dgv.golf.de

Solche Aktionen sind natürlich auch eine Art, mit Kritik umzugehen, lieber DGV. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum man sich auf golf.de namentlich registrieren muss, um die Artikel dort kommentieren.

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Screenshot: uTrace

 

Olympische Gedanken: Im DGVeuer der Eitelkeiten

Beim 94. Ordentlichen Verbandstag des Deutschen Golf Verbands wurde den Anwesenden doch tatsächlich eine echte olympische Goldmedaille gezeigt. Glaubt man dem DGV-Sprachrohr golf.de, dann erntete der Bobfahrer André Lange hierfür “ein respektvolles Raunen vom Saal”. Die Vision Gold sei angesichts des Edelmetalls greifbarer geworden, heißt es.

Doch was ist eigentlich diese Vison Gold? Sie ist vor allem Blendwerk.

Medaillen möchte man bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro gewinnen und die DGV-Granden entwickeln dafür einen nationalen Ehrgeiz chinesischen Ausmaßes. Da werden Elite-, National- und Junior-Teams für Germany, äh, Deutschland aufgestellt und eine neue Golf Liga ins Leben gerufen.

DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer spricht von einem neuen Zeitalter im deutschen Golfsport, weil Profis und Amateure in gemeinsamen Teams spielen.

Klingt ja eigentlich gut, ist aber ziemlicher Mumpitz. Denn die Qualifikation für Olympia erfolgt über die Weltrangliste der Profis – deshalb stehen zurzeit auch nur Berufsspieler (Siem, Gal, Kaymer, Masson) im vierköpfigen Elite Team, das 2016 nach Rio fahren darf. Und daran wird sich meiner Meinung auch nichts ändern.

Natürlich wird argumentiert, dass die neue und viel intensivere Förderung der großen deutschen Talente den Übergang von Amateur zu Profi erleichtert. Es werden laut Pressemitteilung ” die Besten der Besten in das System” integriert. Eliten braucht das Land.

Das sind tolle Töne, die da von Seiten des DGV gespuckt werden. Damit würde sich nämlich ein kleiner Sinneswandel innerhalb des Verbands abzeichnen. Dieser war bislang eher dafür bekannt, seine Amateure häufig fallen zu lassen, sobald sie den Schritt in den Berufssport wagen. Und wenn man manchen Erzählungen glauben mag, dann wurde jungen Athleten mit solchen Flausen von Seiten der ambitionierten Funktionäre auch gerne die Pistole auf die Brust gesetzt.

Fakt ist, dass Amateurspieler der hiesigen Topclubs häufiger in Fünfsterne-Hotels absteigen als Rookies auf der Tour. Die Förderung junger Talente endete in Deutschland meist, wenn sie in die harte Berufswelt des Profigolfs eintauchten. Für die Clubs und den DGV hatten sie in diesem Moment ihre Schuldigkeit getan. Das sind zumindest die Geschichten, die ich in letzter Zeit wieder gehört habe.

Eine entscheidende Frage ist: Was möchte der DGV mit seiner neuen Qualitätsoffensive erreichen? Gold, Silber und Bronze. Klar. Und was noch? Etwa einen deutschen Golfboom? Ich hoffe nicht, denn das wird auch mit einem Platz auf dem Treppchen nicht passieren.

Man muss kein Prophet sein: Es wird keine Live-Übertragungen im deutschen Free-TV von den Turnierrunden geben. Im besten Fall werden wir nur eine Siegerehrung sehen. Die Öffentlichkeitswirkung auf die dem Golf bislang nicht zugeneigte Republik geht gegen Null.

Und werden die Kinder in Zukunft mehr Gas geben, um besser Golf zu spielen? Wohl kaum. Es wird immer reizvoller sein, als Profi Majors zu gewinnen. Davon werden sie träumen. Eine Olympia-Medaille wird – bei erfolgreicher Karriere – nur ein schickes Anhängsel für die Sammlung sein (siehe die Trophäenschränke der US-amerikanischen NBA-Spieler).

In meinen Augen ist die Vision beziehungsweise Gier nach Gold nur den Eitelkeiten der Verbandsoberen mit ihrer unterschiedlichen Interessen geschuldet. Man möchte sich im Erfolg sonnen und sich diesen dann wohlmöglich auch noch selbst zuschreiben.

Ich freue mich jetzt schon, wenn Eicko Schulz-Hanßen, DGV-Vizepräsident und hauptberuflicher Geschäftsführer des Golfclub St. Leon-Rot, bei einem Olympiatriumph stolz auf das 2012 in Betrieb genommene DGV-Leistungszentrum in dem von ihm gemanagten Club hinweist. Allerdings wird die Doppelspitze dann wohl aber die Geschichte vergessen zu erzählen, als er einen St-Leon-Rot-Spieler für einige Zeit vom Mannschaftsbetrieb ausschloss, weil dieser direkt im Anschluss an einen DGV-Lehrgang mit einem Deutschland-Bag und nicht mit dem Club-Bag auf die Driving Range kam. Man muss halt Prioritäten setzen.

dpa, DGV, WTF??? oder Anspruch und Wirklichkeit der Selbstdarstellung

dpadgvHeute musste ich in der Redaktion herzlich lachen. Die Nachrichtenagentur dpa ging pünktlich zum Wochenende mit einem Golf-Spezial an den Start. Wahrscheinlich hatte das irgendjemand bei denen als Trendthema ausgemacht. Oder sie hatten einfach diese fünf Texte auf Halde, die man schön im Paket raushauen konnte. Wie auch immer. Das Ergebnis ist so unfreiwillig komisch, dass ich noch immer beim Schreiben dieser Zeilen vor Brüllen unter dem Tisch liege. Tragisch ist allerdings die Rolle des Deutschen Golf Verbands bei dieser Lachnummer.

Zumindest für die Überschriften kann der DGV wohl nichts.

Meine Highlights:

“Golfer können auch in anderen Clubs spielen”

“Bei kurviger Flugbahn schreien – Golf-Etikette rettet Leben”

“Schlabberlook ist fehl am Green – Was Golfmode darf und was nicht”

Außer dieser knackigen Zeilen, haben die drei Texte natürlich noch etwas anderes gemein – sie fördern das Image des deutschen Golfsports. Und zwar im negativen Sinn. Das ist umso furchtbarer, da in zwei Artikeln tatsächlich DGV-Vertreter ihren Senf verzapfen.

Zitate gefällig?

Aus “Schlabberlook ist fehl am Green – Was Golfmode darf und was nicht” von Autorin Johanna Uchtmann

“Modisch gegen den Strom zu schwimmen, ist auf dem Golfplatz nicht gern gesehen. Nicht Einheitlichkeit sei das Ziel, sondern «Stil zeigen», sagt Dietrich von Garn vom Deutschen Golf Verband (DGV).”

“Auch Kleidung, die offensichtlich politische oder religiöse Aussagen kommuniziere, sei fehl am Platz. «Das ist nicht im Sinne des Clubfriedens», sagt von Garn.”

“Und selbst blaue Jeans sehe man immer häufiger auf dem Platz. Schließlich seien sie inzwischen keine Arbeitskleidung mehr, sondern oft sehr teure Designermode. «Bluejeans haben einen anderen Stellenwert bekommen.»”

Aus “Golfer können auch in anderen Clubs spielen” von Autorin Hannah Loeffler

“«Wer schon Mitglied in einem Golfclub ist, kann gegen die Bezahlung einer Greenfee in fast jedem anderen Club in und außerhalb Deutschlands spielen», sagt Christian Göttker vom Deutschen Golf Verband.”

“Einige sehr exklusive oder ausgelastete Clubs lassen allerdings nur eigene Mitglieder oder deren Freunde auf ihrer Anlage spielen. Andere Vereine verlangen von ihren Gästen ein bestimmtes Handicap, wenn sie auf der Anlage spielen möchten, damit Anfänger nicht den Betrieb aufhalten.”

Last but not least aus “Bei kurviger Flugbahn schreien – Golf-Etikette rettet Leben” (Autorin: Johanna Uchtmann)

“Ruhe sei ein weiterer Grundsatz auf dem Platz: Gelingt ein grandioser Schlag, ist Understatement angesagt. Freuen sei natürlich okay, aber: «Wenn man einen super Schlag gemacht hat, schreit man nicht vor Freude.»” (Igel-Gesa Müller durfte hier als Expertin herhalten)

Wahrscheinlich glaubt man beim DGV wirklich, dass man mit solchen Artikeln Nachwuchs für den Golfsport generieren kann. Doch ich würde mal mit dem Gegenteil rechnen. In allen Texten werden nur die Vorurteile der nicht-golfspielenden Bevölkerung bestätigt.

Es ist schon ziemlich bitter, dass der DGV gerne jüngere Menschen für unseren Sport (für den die Überalterung in den Clubs eines der größten Probleme ist) gewinnen möchte und dann weiterhin alles tut, um den gängigen Klischees zu entsprechen.

Spießig, restriktiv, teuer, exklusiv, anfängerunfreundlich und freudlos – so stellt man sich gerne in der Öffentlichkeit dar. Aber bitte mit Stil. MFG.

Solheim Cup: “Wer zahlt, schafft an!”

 

soldheim“Wer zahlt, schafft an”, schrieb ein golfnerd.de-Freund unter den von mir geposteten SPIEGEL-ONLINE-Artikel auf Facebook. In dem Text hatte ich versucht, zu erläutern, wie es dazu kam, dass der Solheim Cup 2015 nicht auf Gut Kaden, sondern – zur Überraschung vieler – im Golfclub St. Leon-Rot über die Grüns geht.

Lustigerweise fanden sich dann auch unter der SPON-Geschichte mit dem Titel “Freundliche Übernahme mit Geschmäckle” nette Kommentare im Leserforum, von denen ich hier gerne zwei zitieren möchte.

User Connor Larkin schrieb: “Man merkt dass der Spiegel aus Hamburg kommt. Die Geschichte sieht für mich ziemlich einfach aus: Gut Kaden hat es vergeigt Sponsoren zu finden. St.Leon-Rot hat eben Sponsoren gefunden und das was noch an Geld fehlt stellt Hopp zur Verfügung.”

Forumsmitglied dummgscheit verfasste folgende aufmunternde Zeilen: “Diese Geschichte haette in vielen Varianten erzaehlt werden koennen, die gewaehlte ist haarstraeubend und waere so nicht mal in Bild erschienen. … Allen unbeteiligten sei empfohlen sich zu informieren wo seid mehreren Jahren das Herz des deutschen Amateurgolfsports schlaegt. Ein Tipp: Es ist nich gut Kaden”

Na ja. Ganz so einfach ist es nicht.

Schauen wir uns doch mal eine Kurzform der bisherigen Ereignisse an.

  • Oktober 2010: Gut Kaden und die DGS bewerben sich bei der Ladies European Tour (LET) um die Ausrichtung des Solheim Cup 2015
  • Mai 2012: Die deutsche Bewerbung erhält den Zuschlag. Bis zum 15. September müssen Gut Kaden und DGS die Finanzierung des Events absichern – insgesamt wohl ein Euro-Betrag um die fünf bis sechs Millionen.
  • Sommer 2012: DGS und Gut Kaden bitten St. Leon-Rot, bei der Sponsorensuche zu helfen und die guten Kontakte von Dietmar Hopp nutzen zu dürfen. St. Leon-Rot fragt bei seinen Wirtschaftspartnern – darunter SAP und Allianz – nach. Diese sind laut St. Leon-Rot nicht interessiert.
  • September 2012: Zwei mündliche Sponsorenzusagen für den Solheim Cup werden überraschend zurückgezogen. Die Bewerbung droht zu scheitern. St. Leon-Rot-Geschäftsführer Schulz-Hanßen ist in seiner Funktion als Vize-Präsident des Deutschen Golf Verbands darüber informiert.
  • Ab 15. September 2012: Die Deadline der LET kann nicht gehalten werden. St. Leon-Rot bietet sich der DGS als Alternativaustragungsort an. Die DGS vermittelt zwischen LET und dem Golfclub bei Heidelberg. Die LET akzeptiert St. Leon-Rot als Ersatz-Venue für den Solheim Cup.
  • St. Leon-Rot entwickelt in kurzer Zeit ein neues Konzept für die Vermarktung. SAP und Allianz kommen als Hauptsponsoren an Bord, St.-Leon-Rot-Präsident Dietmar Hopp trägt das finanzielle Restrisiko.
  • St. Leon-Rot ist alleiniger Veranstalter des Solheim Cup 2015. Die DGS hat nichts mehr mit der Veranstaltung zu tun. Auch der DGV nicht, dieser soll allerdings in noch nicht definierter Art und Weise eingebunden werden (Am 15. November wird es meines Wissens nach ein Pressegespräch in St. Leon-Rot geben, an dem auch DGV-Präsident Nothelfer teilnimmt. Vielleicht ist man danach schlauer).

Soweit der Ablauf, den ich auch genauso in dem SPON-Text geschildert habe – zusätzlich unterfüttert mit autorisierten Zitaten von Schulz-Hanßen. Der Hergang wurde mir von mehreren Seiten bestätigt.

Die Sportredaktion von SPIEGEL ONLINE hat aus meiner  “Freundliche Übernahme” die Überschrift “Freundliche Übernahme mit Geschmäckle” gemacht. Warum? Weil man sich wahrscheinlich einfach aufgrund der Faktenlage ein paar Fragen stellen muss. Unter anderem, ob in St. Leon-Rot nur halbherzig bei der Sponsorensuche geholfen wurde und man eigentlich ein größeres Interesse am Scheitern der ursprünglichen Bewerbung hatte, um dann den Cup selbst auszurichten. Dass die Doppelrolle von Schulz-Hanßen als Geschäftsführer von St. Leon-Rot und als DGV-Vizepräsident – mit Einblicken in den Stand der Bewerbung – manch einem übel aufstößt, kann ich verstehen. Wurden also Club- vor Verbandsinteressen gestellt?

Auch kann man es befremdlich finden, dass sich die DGS zwei Jahre um den Zuschlag der LET bemüht, dann den Vermittler spielt – und letztendlich von einem DGV-Funktionär wieder ins hinterste Glied gestellt wird. Die verbandseigene Vermarktungstochter soll nun in Konkurrenz mit Langer Sport Marketing und der European Tour treten – und das ist, vorsichtig gesagt, eine anspruchsvolle Aufgabe.

Befreundete Hardcore-Verschwörungstheoretiker haben sich mir noch mit zwei weiteren Fragen angedient, die mir allerdings ein wenig zu Hoppywood sind: Warum sind die Sponsoren, die mündliche Zusagen gaben, so überraschend von der deutschen Bewerbung abgesprungen? Werden diese Sponsoren sich jetzt trotzdem beim Solheim Cup in St. Leon-Rot engagieren?

All diese Fragen sind hochspekulativ. Es gibt keine Beweise, dass irgendetwas unsauber bei der Vergabe des Solheim Cup gelaufen ist. Und so wird auch im SPON-Text nichts behauptet oder unterstellt. Es wird nicht mal etwas angedeutet. Einzig in der Überschrift steht das Wort “Geschmäckle” - und wenn Menschen beim reinen Lesen der Fakten, dieses Gefühl beschleicht, dann geht das in meinen Augen in Ordnung.

Natürlich hätte ich es mir als Hamburger Jung gewünscht, dass der Cup nach Gut Kaden geht. Im ersten Moment war ich sogar etwas sauer, als ich davon hörte, dass nun St. Leon-Rot Austragungsort ist. Dieses Gefühl ging allerdings schnell vorüber: Ich freue mich, dass der Solheim Cup nach Deutschland kommt – St. Leon-Rot ist ein großartiger Austragungsort. Der Platz ist top, der Club hochprofessionell mit einem großen Schwerpunkt auf die Jugendarbeit geführt. Alle Bedenken, die ich spontan in Bezug auf Hotels und Verkehrsanbindung hatte, waren wohl unbegründet.

Zum ersten Mal findet in der Geschichte des Wettbewerbs der Junior Solheim Cup auf der gleichen Anlage wie der “große” Solheim Cup statt. Das ist mehr als nur lobenswert – und eine echte Bereicherung.

Ich finde auch einige Ansätze aus dem Vermarktungs-Konzept, dass mir Schulz-Hanßen kurz und knapp erklärte, sehr gut. Insbesondere das leidige Thema Golf im Free-TV könnte 2015 eine wunderbare Lösung finden: St. Leon-Rot ist im Besitz der deutschen Fernsehrechte und überlegt, das Turnier in Echtzeit im Internet zu zeigen.

Andere Probleme halte ich bislang für weniger gut durchdacht. Um die nötige Aufmerksamkeit für den Solheim Cup in Deutschland zu generieren (direkt nach dem Solheim Cup 2013 in Parker, USA, soll die Kampagne starten), liegt das Augenmerk von St. Leon-Rot derweil hauptsächlich auf den sozialen Medien. Zusammen mit der Allianz hatte man für die hauseigene Jugendturnierserie “Lucky 33″ ein Facebook-Konzept entwickelt – dieses soll angepasst auch für den Solheim Cup zum Einsatz kommen.

Das Facebook & Co doch eher eine kleine Gruppe der aktiven Golfspieler im DGV ansprechen, ist zwar angesichts der heutigen Zeit schwer zu glauben, aber dann aufgrund der Alterstruktur in den deutschen Golfclubs wohl doch nicht so verwunderlich. Ob dieses auch Schulz-Hanßen bewusst ist, weiß ich nicht.

Natürlich sollen zusätzlich in den Clubs der Republik bei Turnieren VIP-Packages für analoge Golfspieler ausgelobt werden – doch ich bezweifle, dass das ausreicht, um eine nationale Begeisterung zu entfachen oder um zumindest ein Bewusstsein für den Solheim Cup zu entwickeln.

Mir gefiel der Ansatz der DGS besser, flächendeckend die Clubgolfer auf den Solheim Cup einzustimmen und das Turnier in Deutschland bekannter zu machen. So sah das Konzept unter anderem vor, den DGV-Ausweis im Solheim-Cup-Branding zu verschicken. Alle dem Verband zugehörigen Kanäle wie golf.de und mygolf.de sollten rechtzeitig bespielt werden. Auch hier waren Turnierserien in ganz Deutschland angedacht.

Rückblickend betrachtet bin ich enttäuscht vom Verhalten des DGV. Ich hatte als Außenstehender nie das Gefühl, dass vom Verband tatsachlich eine große Unterstützung da war. Es ist mir ein Rätsel, warum von vornherein die Finanzierung eines sportpolitisch so wichtigen Events von Sponsoren abhängig gemacht wurde.

Mit Freude hätte ich pro Jahr 5 Euro mehr mit meinen Beiträgen überwiesen, um den Solheim Cup mit größtmöglichem Einfluss des DGV in Deutschland auszurichten. Bei über 600.000 Mitgliedern hätte das Geld bestimmt dicke gereicht. Ich gebe zu, dass ich mich in den Verbandsstatuten nicht besonders gut auskenne, aber wäre es tatsächlich nicht möglich gewesen, diesen finanziellen “Kraftakt” den deutschen Clubgolfern aufzuerlegen?

Letztendlich ist der Solheim Cup nach Deutschland gekommen. Das ist wunderbar. Wie das gelingen konnte, ist nun für viele zweitrangig. Es gilt: Wer zahlt, schafft an. Man muss dem Golfclub St. Leon-Rot gratulieren und nur das Beste wünschen. Und natürlich seinen Möglichkeiten entsprechend mit dazu beitragen, dass das Turnier ein Erfolg wird.

Trotzdem: Kritik muss weiterhin erlaubt sein.

signale

Volkssportler, hört die Signale!

Ich rege mich gerne auf. Nicht beim Golf. Da bin ich meist die Ruhe selbst. Die Verzweiflung nagt auf dem Platz eher in mir und braucht nur selten einen Kanal nach draußen. Ich rege mich allerdings gerne über den deutschen Golfsport an sich auf. Die Verbände haben es mir da inzwischen ganz besonders angetan.

Viele Dinge, die seit Jahren in meinen Augen schief laufen, sind unseren wunderbaren Funktionären anzulasten. Es bewegt sich wenig und wenn doch, dann häufig rückwärts. Problemen geht insbesondere der DGV nicht wirklich auf den Grund, dafür ist man schnell dabei, fadenscheinige Entschuldigungen für Desaster wie die deutsche Ryder-Cup-Bewerbung zu finden.

Kritik funktioniert nur bedingt. Der DGV hört nur auf sich selbst, nicht auf externe Meinung. Und schon gar nicht auf meine Wenigkeit, einem Blogger. Man kann diesen Laden nur von innen ändern. Und genau das möchte ich versuchen.

Vielleicht ist es ein Anflug von Wahnsinn, wahrscheinlich habe ich einfach nur die Schnauze voll vom Zusehen: Ich möchte mich aktiv im Verband engagieren. Zunächst auf Clubebene.

In meinem Club läuft es eigentlich gut. Ich halte viel von unserer Jugendarbeit, dem Management und der grundsätzlichen Ausrichtung – ein wenig frisches Blut könnte dem Vorstand trotzdem gut tun. Deshalb werde ich mich im kommenden Jahr zur Wahl stellen. Wahrscheinlich werde ich nicht in ein Amt gehoben werden – aber ich versuche es wieder. Und wieder. Bis es klappt. Und es könnte ja sein, dass ich es irgendwann in den Landesverband schaffe. Oder in den DGV.

Ich bin mir sicher: Nur so kann sich langfristig etwas ändern. Vielleicht gibt es ja noch ein paar Wahnsinnige, die ähnlich denken – und die in ihren Clubs ähnliches versuchen wollen. Dann wäre ich zumindest nicht allein mit der kleinen Revolution. Dem deutschen Golfsport würde das mit Sicherheit gut tun. Je mehr wir sind, um so größer ist die Chance, dass einer Gehör findet.

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Für mehr Golfer und weniger Mitglieder!

“Wie modern ist unser Sport?”, fragt das aktuelle Golf Journal auf der Titelseite. “Golf 2.0″ prangt darüber  in dicken Lettern. Eine interessante Frage, die allerdings nicht wirklich beantwortet wird. In dem ausführlichen und lesenswerten Dossier von Stefan Maiwald (der mich auch dazu gebracht hat, das GJ mal wieder zu kaufen) geht es eher darum, wie man den Sport populärer machen kann – und neue Spieler an Golf heranführt.

Maiwald schreibt, dass der Sport zwar rein nach den Mitgliederzahlen in den Clubs wächst, aber leider dieses hauptsächlich bei der älteren Generation stattfindet. Der Nachwuchs stagniert und nimmt teilweise sogar ab. Die Golfclubs brauchen aber neue Mitglieder, um zu überleben. Was in dem Artikel folgt, ist eine ausführliche Beschreibung vieler Maßnahmen, um die Attraktivität des Golfsports zu steigern.

Runden sollen schneller, Plätze einfacher, Regeln simpler und Turniere kürzer werden – das sind, sehr komprimiert, die Anregungen, die Maiwald eingesammelt hat. Alles schöne Ideen, die ich teilweise auch nachvollziehen beziehungsweise unterstützen kann. Jedoch gehen diese Lösungsvorschläge, die hauptsächlich aus den USA stammen, völlig am deutschen Problem vorbei.

Wer glaubt, dass mit einmal der große Ansturm auf die Golfclubs beginnt, wenn der Sport hierzulande einfacher und schneller gemacht wird, der irrt gewaltig. Unser Nachwuchsproblem ist vom Deutschen Golf Verband (DGV) hausgemacht.

Platzreife, Klassengesellschaft bei den DGV-Ausweisen, Verteufelung von Fern- und VCG-Mitgliedschaften – in Deutschland setzen Verband und Clubs alles daran, um potentielle Gäste aus In- und Ausland sowie Neueinsteiger fernzuhalten. Anstatt Greenfee-Spieler aller Art herzlich willkommen zu heißen, werden Schranken aufgebaut. Es hat allen Anschein, als sei man nicht an der Entwicklung des Golfsports in Deutschland interessiert, sondern eher an neuen Mitgliedern, denen man ein güldenes Hologramm verpassen kann. Golf hat im Verband stattzufinden, nicht außerhalb.

Die Argumentation für all diesen Klimbim erschließt sich mir nicht. Allein die Platzreife ist ein erschreckendes Beispiel für die deutsche Golfplatzbürokratie. Angeblich sollen so die Nichtskönner und Etikette-Verächter ferngehalten werden. Funktioniert allerdings nicht, die Pitchgabel-Verweigerer, Golfschnecken und Wasserangler spielen schon seit Jahrzehnten nicht nur bei mir im Club – natürlich mit goldenem Hologramm und Platzreife. Statt einer Prüfung, die eh jeder Pro machen kann wie er will, wäre der konsequente Einsatz von Marshals, die auf dem Platz für Tempo und Ordnung sorgen, sinnvoller.

Absolut kontraproduktiv ist auch die Greenfee-Politik der meisten deutschen Golfclubs. Diese belegen Spieler ohne den richtigen DGV-Ausweis freudig mit Strafzöllen – wenn sie diese denn überhaupt auf den Platz lassen. Dass so mancher Spieler dann einfach grundsätzlich dem Club fernbleibt (und dieser dann überhaupt kein Geld sieht) und diese Aufschläge auch keine tolle Strategie sind, um potentielle Neumitglieder zum Beitritt zu begeistern, merken die Verantwortlichen dabei nicht.

Wie es richtig geht, sieht man in den USA oder in Schottland. Letzteres immerhin das Mutterland des Golfsports. Dort wurde ich bislang kein einziges Mal nach einem DGV-Ausweis, einer Platzreife oder meinem Heimatclub gefragt. Stattdessen musste ich nur die Greenfee über den Tisch schieben – und ab ging es auf den Platz. Ein Chaos gab es deshalb nicht auf den Fairways oder Grüns.

Immer wieder beschweren sich Funktionäre und Clubs über Fern- bzw. Auslandmitgliedschaften. Warum manche Leute diesen Weg wählen, wird dabei nie hinterfragt. Dabei liegt der Grund auf der Hand: Viele Clubs bieten keine vernünftige Alternativen an. Wenn einer mal eine kostengünstige Handicap-Führung ohne volles Spielrecht und mit leicht ermäßigter Greenfee im Programm hätte, gäbe es alleine aus meinem erweiterten Bekanntenkreis jede Menge Interessenten.

Ziel des DGV und der Clubs sollte eigentlich sein, nicht den Sport, sondern den Zugang zum Sport einfacher zu gestalten. Der Weg zum Platz darf nicht zum Hürdenlauf werden. Clubs sollten nicht abschrecken, sondern zum Spielen einladen.

Es ist mir ein Rätsel, warum der DGV nicht einmal seine prall gefüllte Geldschatulle öffnet und zusammen mit den Kommunen eigene 9-Loch-Plätze errichtet. Diese Public Courses sollten nicht nur günstige Greenfees für Jedermann anbieten, sondern auch Schulen und klassischen Sportvereinen, die Möglichkeit zum Spielen bieten. Weiterhin könnte der Verband einen Premium-Course bauen, der als Austragungsort für Profi- und wichtige Amateurturniere taugt. Vielleicht sogar für den Ryder Cup.

Im GJ-Dossier findet sich übrigens auch ein sehr gutes Interview mit dem PR-Agenturinhaber Mirko Lange. Hier wird wunderbar Klartext gesprochen. Golf habe noch immer das “Schickimicki”-Image, einen Kaymer-Effekt gebe es nicht, dafür aber ein riesiges Kommunikationsproblem. Volksnah ginge anders, lautet ein Fazit. Recht hat der Mann.

Ziemlich peinlich ist allerdings, dass nur ein paar Seiten weiter Alois Hartl zu Wort kommen darf. Dieser ist Präsident des Golf Resort Bad Griesbach, gern gesehener Anzeigenkunde und laut Golf Journal ein Herr, der “maßgeblich zur Popularisierung des Golfsports in Deutschland beigetragen hat”. Hartls Statements beweisen mir das Gegenteil.

Der bayrische Zampano freut sich darüber, dass bald 25 Prozent der Bevölkerung über 60 sein werden – und damit neue Kundschaft kommt. Außerdem wünscht er sich mehr Sozialprestige für den Sport und festlichere Siegerehrungen. Regeln seien nicht wichtig, an die halte sich schließlich eh niemand. Und warum so wenig junge Menschen Golf spielen, das weiß Herr Hartl auch: Es gibt halt keine Hüttengaudi wie beim Skifahren.

Vielleicht sollte mal jemand dem Alois sagen, dass er ganz maßgeblich Teil unseres Problems ist.

Schüco: Ist die große Party bald vorbei?

Henrik Stenson, Bubba Watson, Dustin Johnson, Ian Poulter, Geoff Ogilvy, Álvaro Quirós, Colin Montgomery, Miguel Ángel Jiménez, Grégory Havret, Edoardo Molinari, Wenchong Liang, Peter Hanson, Maximilian Kieffer und natürlich Bernhard Langer sowie Martin Kaymer – das sind die Namen der offiziellen Markenbotschafter von Schüco. Sage und schreibe 15 Golfprofis hat der Fenster- und Solartechnikhersteller unter Vertrag. Die meisten von ihnen sind große Namen und die Verpflichtung ebendieser war mit Sicherheit nicht gerade günstig.

Wer allerdings nach den Kosten der privaten Sportförderung fragte, der bekam bislang recht kryptische Antworten wie “Es ist billiger als die Formel-1″. Da Red Bull angeblich 90 Millionen Euro pro Saison ins eigene Renn-Team pumpt, kann das natürlich gut sein.

Schüco ist mit großem Aufwand in kurzer Zeit zu einer bekannten Marke im Golfsport geworden. Zumindest in Deutschland. Sky-Abonnenten können davon ein trauriges Lied singen, denn das Unternehmen “päsentiert” unter anderem als Marketingmaßnahme die Golf-Übertragungen des Pay-TV-Senders. Der Schüco-Fernsehspot wird dort qualvoll häufig gezeigt. Auch das kostet mit Sicherheit gutes Geld – obwohl die Reichweite von Sky sehr überschaubar ist.

Kein Schnäppchen sind die Schüco Open, das große Einladungsturnier des Unternehmens. Klar, die Profis haben die Teilnahme in ihren Verträgen wohl festgeschrieben, aber das Event ist deshalb nicht umsonst. Nicht nur die eigentliche Veranstaltung, auch die damit verbundenen Anzeigen (die reichlich unter die Verlage gebracht werden)  und die Logistik gehen ins Geld. Hinzu kommt noch die Partnerschaft mit dem Deutschen Golf Verband, die es wohl kaum zum Nulltarif gibt.

Zu verdanken ist das finanzstarke Engagement im Golfsport einem Mann bei Schüco: Dirk U. Hindrichs. Der geschäftsführende Gesellschafter ist ein passionierter Golfspieler und hat anscheinend mit Freuden vor Jahren damit begonnen, das Hobby mit dem Beruf zu verbinden. Im Juni 2012 wurde der große Zampano ruckzuck ohne Vorwarnung gefeuert. Sein Nachfolger ist Dr. Hinrich Mählmann, der den Kurs des Unternehmens jetzt aus Bielefeld bestimmt. Eine schnelle Google-Suche mit dem Namen des neuen Kapitäns ergab weder ein Handicap, noch irgendeine andere Art von Verbindung zum Golfsport.

Angeblich hatte Schüco zuletzt mit starken Umsatzeinbrüchen bei der Solartechnik zu kämpfen. Sparen ist also angesagt. Und wo fängt man da am besten an? Richtig, beim Golf.

Ich bin gespannt, ob die bestehenden Verträge mit den Golfstars  noch einmal verlängert werden und ob die Schüco Open weiterhin in dieser überdimensionierten Form in den kommenden Jahren stattfinden. Vielleicht reduziert man auch die Anzahl der Werbespots im TV. Über letzteres würden sich zumindest Sky-Abonnenten sehr freuen.

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Hamburger Golf Verband: Neuer Markenbotschafter an der Fensterfront

Dass es die deutschen Golfmedien nicht so genau mit der deutlichen Trennung von Anzeigen und Redaktion nehmen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Man hat sich sogar daran gewöhnt. Trotzdem finde ich es mehr als befremdlich, wenn sich anscheinend auch “Golf in Hamburg”, die offizielle Mitgliederzeitschrift des Hamburger Golf Verbandes, in diesen Abgrund der Käuflichkeit begibt.
Schon die Ausgabe für April/Mai fiel mir unangenehm auf. Auf dem Titelbild prangte der Masters-Sieger Bubba Watson. Im Prinzip ein netter Coverboy. Jedoch war das Foto nicht nur qualitativ schlecht, sondern zeigte auch den Golfer nur schnellen Schrittes im Profil. Gut sichtbar war vor allem eines: das Logo der Fensterfirma Schüco – die praktischerweise auch das Foto zur Verfügung gestellt hatte und sich weiterhin auf der Heftrückseite eine A4-Anzeige gönnte. Im Heft selber fand sich dann ein kleiner Hinweiskasten mit viel PR-Sprech und wenig Information zum bevorstehenden Schüco Open. Das Einladungsturnier, in dem hauptsächlich Spieler antreten, die von Schüco gesponsert werden, findet Ende Juli bei uns im Hamburger Umland statt.
Ich schluckte zunächst meine Ärger runter. Doch die aktuelle Ausgabe von “Golf in Hamburg”, die jüngst in meinem Briefkasten landete, ließ diesen wieder schwallartig aufsteigen. Zwei Seiten vermeintliche Berichterstattung finden sich hier zu der Firmenveranstaltung, die dank der teilnehmenden Topstars in dieser Größenordnung durchaus gerechtfertigt ist. Der dazugehörige Text ist jedoch ein komplette Frechheit.
Die Doppelseite liest sich wie eine Pressemitteilung des Unternehmens. Von den “Schüco Markenbotschaftern” wird ständig gefaselt. Man erfährt weiterhin, dass Firmenaushängeschild Martin Kaymer der erste dieser wunderbaren Diplomaten war. Der Hauptteil schließt mit der einzigartigen Feststellung: “Sie alle stehen als Markenbotschafter auch für die Philosophie von Schüco: Gemeinsamer Abschlag für den Klimaschutz.”
Natürlich wird noch in einem weiteren kleinen Artikel auf ein Gewinnspiel hingewiesen, das auf der Schüco-Homepage zu finden ist. Und in einen weiteren Absatz wird die lustige Geschichte erzählt wie Martin Kaymer durch die Hamburger Hafencity Golf spielt, vorbei an “markanten Bauwerken -ausgestattet mit moderner Schüco Technologie”.
Das Wort Anzeige wurde zwar auf den Doppelseiten untergebracht, allerdings nur im zweiten Teil mittig über einem kleinen Infokasten zum Turnier samt Logo. Der Hinweis hätte allerdings zweifelsfrei gut sichtbar über den gesamten Erguss gehört.
Warum ich mich eigentlich so aufrege? Ganz einfach. Ich zahle Mitgliedsbeiträge im Hamburger Golf Verband, die eigentlich auch dazu dienen sollten, diese Zeitschrift zu finanzieren – und frei von PR-Texten zu halten. Und das gilt auch für Firmen, die irgendwie mit dem Verband verbandelt sind.
Die deutschen Golfer rühmen sich immer wieder gerne ihrer Etikette und der altehrwürdigen Regeln des Spiels. Schade, dass abseits des Golfplatzes das anscheinend nur einen Scheißdreck Wert ist.

The Rambler rules the Sea

Real McCoy: Sundowner auf dem Golfplatz Lutzhorn

Er ist tatsächlich einer meiner Lieblingsplätze in Deutschland: der 18-Loch-Kurs in Lutzhorn. Zugegeben, die Anlage in der Wallachei nahe Elmshorn genießt nicht den besten Ruf bei uns in der Gegend. Die Grüns seien scheiße, die Fairways ungepflegt und das Publikum sei auch nicht das beste, heißt es allgemein. Die würden ja jeden auf den Platz lassen und dementsprechend würde der Acker auch aussehen.

Nun ja. Die Grüns gewinnen wirklich keine Schönheitspreise und die Bahnen könnten mal ein wenig häufiger gemäht werden. Das stimmt. Außerdem würde den Bunkern ein wenig frischer Sand gut stehen. Tja, und das Publikum? Zu denen gehöre ich. Lutzhorn ist einfach der absolut beste Platz, wenn man mit seinen Graugolfer-Freunden problemlos eine entspannte Runde spielen möchte. Denn es stimmt: Hier darf jeder auf den Abschlag – auch ohne DGV-Ausweis mit Hologram. Und das ist auch verdammt gut so.

Schlimme Hacker, die sich wie Mitglieder der hunnischen Golfnationalmannschaft aufführen und den Platz verwüsten, sind mir hier noch nicht begegnet. Dafür aber eine Menge Typen in Jeans und T-Shirt, die auch mal auf der Runde ein kaltes Bier trinken. Oder  ein paar Neueinsteiger wie meinen Cousin samt Kumpels, die eine richtige Runde spielen wollen, ohne gleich irgendwo Mitglied sein zu müssen. Entspanntes Feierabend-Golf halt. Der Preis für das Vergnügen ist sowieso unschlagbar:  20 Euro kostet eine Runde nach 16 Uhr an Wochentagen. 35 Euro ist der Standardtarif (WE 45 Euro bzw. 25 Euro ab 16 Uhr).

Außer der entspannten Club-Attitüde und dem extrem günstigen Preis gibt es allerdings einen noch viel besseren Grund, um nach Lutzhorn zu fahren: das Coursedesign. Bahn Nummer 1 zählt wohl zu den schwierigsten Eröffnungen der Region (angeblich hat Darren Clarke hier den Ball mal aufs Grün gedrivet) und die Löcher 10, 11 und 12 sind ein Triptychon des schmuddeligen Golfporns. Die drei Bahnen verlaufen idyllisch rund um einen Baggersee – und sind spielerisch eine Wucht. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Löcher, die dank enger Fairways, blinder Schläge und klitzekleiner Grüns  richtig Laune bringen. Natürlich gibt es auch ultra-langweilige Bahnen (2,3, 16-18), die so gar nix zu bieten haben. Aber die haben ja auch die meisten anderen Clubs im Programm.

Das inoffizielle Clubhaus der Sundowner ist übrigens auch nicht schlecht: der Burger King an der A 23, Ausfahrt Tornesch. Bier gibt es an der Tanke nebenan. Weltklasse.

Anbei ein paar Bilder meiner vergangenen Runde mit den lieben Kollegen und dem Rambler (Abbruch wegen Dunkelheit an Loch 15, die Grüns waren tiptop). Fast alle liebevoll mit der iPad-App Instagram verschandelt. Ich mag sie trotzdem.

Loch 12, Par 4: Der Drive muss über den See. Der Rambler hat die Tigerline.
Loch 8, Par 4: Ein klitzekleines Grün mit Hang nach hinten.
Loch 1, Par 4: Extrem schmales Grün. Links, rechts, vorne, hinten – alles scheiße.

 

Loch 4, Par 3: Vom Abschlag knapp 200 Meter bis zur Grünmitte. Da darf man auch mal im Bunker liegen.
Loch 10, Par 4: Eigentlich eine einfache Angelegenheit. Wenn da nicht der See rechts und das Aus links wäre.
Loch 11, Par 3: Zur Abwechslung mal ein riesiges Grün.
Loch 13, Par 5: Blaue Stunde ganz ohne Instagram.
Hier kreuzen Bahn 13 und 14: Nach Loch 15 war aufgrund der Dunkelheit dann Schluss.