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Malaysian Open: Das Masters vergessen

Bei den Maybank Malaysian Open (2.5 Millionen US-Dollar Preisgeld) treffen in dieser Woche drei Spieler aufeinander, die direkt nach dem Masters einiges aufzuarbeiten haben. Rory McIlroy muss seine furchtbare Finalrunde von Augusta vergessen. Charl Schwartzel muss aus dem Freudentaumel eines Masters-Champion erwachen. Und Martin Kaymer muss zeigen, warum er zu Recht die Nummer 1 der Weltrangliste ist und der verpasste Cut in der vergangenen Woche nur ein Ausrutscher war.

Rory McIlroy, der über Twitter derzeit reichlich gute Laune verbreitet, und Martin Kaymer spielen an den ersten beiden Turniertagen in Kuala Lumpur zusammen mit dem Thailänder Thonchai Jaidee. Schwartzel geht mit seinem südafrikanischen Landsmann und amtierenden Open-Champion Louis Oosthuizen sowie dem Sieger der letztjährigen Malaysian Open, Seung-yul Noh, an den Abschlag.

PS: Wer sich übrigens fragt, warum Kaymer, McIlroy und ein paar andere Topspieler den langen Weg für das Turnier bewältigt haben … es gab wohl stattliche Antrittsgelder, die es locker mit dem Preisgeld für den ersten Platz (288.465 Euro) aufnehmen können.

Hier geht es zur offziellen Turnier-Webseite.

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In Treatment: Martin Kaymer

Hinterher ist man immer klüger, aber eigentlich hörte man schon im Vorfeld des Masters die Alarmglocken schrillen. Warum er an seinem Schwung herumgeschraubt hätte, wurde der Noch-Weltranglistenerste vor dem Beginn des Major-Turniers in der offiziellen Pressekonferenz gefragt. Er habe bislang dreimal den Cut nicht geschafft, sagte Kaymer. Irgendwas müsse man ja ändern. Nach der katastrophalen ersten Runde mit 6 über Par wurde er noch deutlicher. Er sei mit seinem Latein am Ende, gab Kaymer im Sky-Interview zu verstehen. Vielleicht könne ihm Bernhard Langer noch einen entscheidenen Tipp geben wie man diesen Platz spielt. Mit einem Lächeln versuchte der Mettmanner dann, seine komplette Ratlosigkeit in Sachen Masters zu überspielen. Vergeblich.

Nach der zweiten Runde (Even Par) ist nun der Cut zum vierten Mal in Folge nicht geschafft. Und schuld ist eindeutig nicht Kaymers Technik. Vielmehr scheint das Scheitern in diesem Jahr ein mentales Problem zu sein. Der Druck, der auf einer Nummer der 1 der Welt lastet, ist damit allerdings nicht gemeint. Kaymer hat Angst vor Augusta National und diese lähmt sein Spiel. So lautet zumindest die Ferndiagnose. Drives, Putts, Eisen ins Grün – dem 26-Jährigen gelang nur selten etwas an den vergangenen zwei Tagen. Andere Profis mit weniger Talent hatten da weniger Schwierigkeiten.

Wenn Kaymer im kommenden Jahr auch am Wochenende in Augusta aufteen möchte, gibt es meiner Meinung nach nur eine Lösung: Er muss den Respekt vor dem Platz und dessen Tücken ablegen. Wenn er schlau ist, dann kehrt in diesem Jahr nicht nur einmal auf den Masters-Kurs zurück. So oft es geht, sollte er in den Privatjet steigen, nach Georgia fliegen und hier spielen. Egal ob mit Freunden, alleine oder den mit Sicherheit hoch erfreuten Clubmitgliedern des Augusta National. Eine Runde auf diesem Golfplatz muss zur Routine und zu einer angenehmen Beschäftigung werden. Nur so verlieren die 18 Löcher ihren Schrecken. Und nur so kann Kaymer mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit im kommenden Jahr wieder beim Masters antreten – und mit Sicherheit den Cut schaffen.

Just my two cents.

These shoes are made for golfing

Meine Golfschuhe gehören eigentlich auf den Müll. Manch ein Flightpartner hat angesichts dieser ausgelatschten und eingerissenen Teile die Nase gerümpft. Die Sohlen lösen sich allmählich vom Rest der Schuhe ab. Wasserdicht sind diese schon lange nicht mehr, dafür aber gut belüftet. Trotzdem kann ich die Latschen in Größe 45 niemals zu meinen Lebzeiten wegwerfen. Und Schuld daran ist der derzeit beste Golfer der Welt.

Im August 2006 fuhr ich als Autor für das Golfmagazin PLOCK! nach Odense (ein PDF des Artikels gibt es hier zum Download), Dänemark. Ich sollte dort ein Portrait über einen jungen deutschen Nachwuchsgolfer schreiben. Der Kerl hatte jüngst eine 59er-Runde gespielt, den ersten Platz bei einem Challenge-Tour-Event in Düsseldorf gemacht und war gerade frisch bei der drittklassigen EPD-Tour eingestiegen. Im Hamburger Golfclub Am Hockenberg hatte ich ihn kurze Zeit nach seinem Turniererfolg für ein schnelles Interview getroffen, einen Tag später spielte er dort einen neuen Platzrekord. Der schüchterne Lulatsch hieß Martin Kaymer.

Dank eines kleinen Gemauschels mit dem Turniersponsor ECCO hatte man meine golferische Nichtigkeit dem jungen Herrn Kaymer zusammen mit zwei Dänen als Partner für das Pro-Am in Odense zugeteilt. Ich war ziemlich aufgeregt, denn mein Spiel war zu diesem Zeitpunkt auf dem absoluten Tiefpunkt. Der Slice war mein bester Freund. Doch schon nach drei Löchern merkte ich, dass ich mir keine Sorgen machen musste. Kaymer spielte wie von einem anderen Stern. Ultralange Drives, zielsichere Eisen, ein kurzes Spiel wie aus dem Bilderbuch und das Putten schien auch kein Problem. Dazu war der Junge aus Mettmann komplett tiefenentspannt und ertrug mein Gehacke nicht nur mit stoischer Ruhe, sondern auch mit Humor.

Nicht nur ich war begeistert von Kaymer. Zwei britischen Challenge-Tour-Pros, die eigentlich nur den Platz begehen wollten, fielen angesichts des Traumschwungs des ihnen völlig unbekannten Deutschen die Kinnladen auf den Abschlag. Drei Löcher folgten sie uns staunend. Dann blieben sie ratlos irgendwo auf dem Fairway stehen. Wahrscheinlich überlegten sie, ihren Beruf an den Nagel zu hängen.

Nur ein einziges Mal spielte Kaymer Murks. Am schwierigsten Loch, einem relativ langen Par-5, fabrizierte er ausnahmsweise kein Par oder Birdie. Die anderen beiden Mitstreiter patzten auch. Dafür schlug meine Sternstunde. Die einzige an diesem Tag. Mit fünf Schlägen lochte ich ein. Die dafüf eingesackten Stableford-Punkte lagen gefühlt im zweistelligen Bereich.

Letztendlich gewannen wir das Turnier überlegen. Kaymer freute sich wie ein Schneekönig. Es war der allererste Pro-Am-Sieg seiner Karriere. Als letztes hatte er eines in Polen gespielt und da waren ihm leider nur die vielen schönen Mädels in positiver Erinnerung geblieben.

Kaymer war an diesem Nachmittag ein extrem angenehmer Zeitgenosse. Er erzählte offen von den Problemen als frischgebackener Profi. Die viele Schmutzwäsche, die sonst immer von Mutter vernichtet wurde, nervte ihn gewaltig. Genauso wie die einsamen Stunden im Hotelzimmer irgendwo in der europäischen Fremde. Und die Mietwagen gingen ihm ebenfalls auf den Geist. Das Navigationsgerät hatte ihn doch gestern tatsächlich nicht nach Dänemark, sondern nach Schweden geführt. Zum Glück fand Kaymer noch auf den richtigen Weg zurück.

Ich würde gerne schreiben, dass wir an diesem Tag Freunde geworden sind. Sind wir leider nicht. Dafür durfte ich einen Profigolfer kennenlernen, der schon damals aus der Masse der Talente wie ein Leuchtturm hervorstach: Mit seiner Bodenständigkeit, einem gesunden Ehrgeiz, einer unglaublichen Selbstdisziplin und seiner erfrischenden Unbedarftheit der Presse gegenüber, die er spätestens nach einem nicht ganz so schmeichelhaften Artikel im DER SPIEGEL zu Recht abgelegt hat.

Was das alles mit meinen zerlumpten Schuhen zu tun hat? Nun ja, die Teile gab es zusammen mit anderem Klimbim (Wein, Schlägerfittings etc.) als Preis für den Sieg beim Pro-Am, das ich zusammen mit dem derzeit besten Golfer der Welt gewonnen habe. Braucht es mehr als diesen Grund, um dieses Paar Schuhe selbst dann stolz zu tragen, wenn nur noch die Schnürsenkel es an meinen Füßen hält? Ich denke nicht.