Archiv der Kategorie: Tiger Woods

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Wer den Schaden hat …

Tiger Woods humpelte gestern bei der Players Championship nach seiner stark verkürzten Auftakt-/Finalrunde Graeme McDowell über den Weg. Und der Kollege hatte nichts besseres zu tun, als gleich mal zwei Tweets abzusetzen, die man schon jetzt als legendär bezeichnen darf. Aber schaut selber …

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Tiger Woods – Everybody’s Asshole

“Die Geier kreisen schon!” Wann immer ein fliegender Vogel in Großaufnahme während eines PGA-Turniers gezeigt wird, besteht eine 90-prozentige Chance, dass irgendeiner der TV-Kommentatoren dieses gut abgehangene Witzchen vom Stapel lässt. Diese Woche hat der bärtige Spruch jedoch zum ersten Mal seine Berechtigung. Die Geier kreisen über der Players Championship. Sie alle warten darauf, endlich auf Tiger Woods einzuhacken.

Sex-Skandal, Scheidung, keine Siege und jüngst nun wieder eine Verletzung am Knie. Statt auf Platz Nummer 1 steht der ehemals allmächtige Golfgott auf Rang 8 der Weltrangliste. Tiger Woods ist am Boden. Und da tritt man gerne nach. Zumindest die US-Journalisten wittern Morgenluft beziehungsweise Blut und stürzen sich auf den angeschlagenen Tiger.

Jahrzehntelang waren die Medien vom Wohlwollen Woods abhängig. Dieser sorgte nicht nur für einen Anstieg der Preisgelder auf der PGA Tour, sondern auch für höhere Einschaltquoten, Auflagenzahlen und ein größeres Anzeigenvolumen.  Und der Ausnahmegolfer war sich seiner Ausnahmestellung durchaus bewusst. Wer es wagte, den Tiger zu kritisieren, durfte sich schnell seiner kalten Schulter gewiss sein. Eine Hofberichterstattung war die Folge. Doch die gehört nun der Vergangenheit an.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass die US-Sportjournalisten ihm derzeit mit Wonne die Rechnung für all die Jahre der Frohndienste präsentieren. Hätte Woods nach dem Sex-Skandal sofort nahtlos an seine früheren Leistungen anknüpfen können, wäre wahrscheinlich alles wie bisher weitergelaufen. Doch die Erfolge blieben aus.

Seine Aura sei beim Master gestorben, schreibt beispielsweise Cameron Morfit vom GOLF Magazine, der neulich schon das Ende der Karriere Woods prophezeite. Auch Ron Sirak vom GolfDigest glaubt nicht mehr daran, dass die ehemalige Nummer 1 ein weiteres Major gewinnen wird.  Und der schottische Golfjournalist John Huggan lästert über Twitter. Nur eine kleine Auswahl für das Tiger-Bashing, das gerade in Mode kommt und für das nicht mehr viel Mut notwendig ist.

Natürlich ist Woods nicht ganz unschuldig an dem Shitstorm, der ihm gerade ins Gesicht bläst. Diverse PR-Disaster wie sein kläglicher Versuch, die Medien nach dem Sex-Skandal zu kontrollieren, oder das Post-Round-Interview mit CBS-Reporter Bill Macatee beim Masters heizen die Stimmung gegen ihn noch an. Und Woods wird immer dünnhäutiger.

Der Tiger wirkt auf Pressekonferenzen und in Interviews angespannt. Hinter jeder Frage vermutet er anscheinend einen Hinterhalt. Fragen nach seiner Leistung oder Form werden pampig beantwortet. Selbst seine Entourage verliert langsam die Kontrolle, die sie so lange erfolgreich auf die Medien ausgeübt hat.

Woods Schwungtrainer, Sean Foley, flippte diese Woche in einer irischen Radioshow aus und ging Bubba Watson an (Wer es im O-Ton hören möchte, hier der Link zur Show: Tuesday, Part 2, ab 13 Min.). Dieser hatte es gewagt in eine TV-Kamera zu sagen, dass Tiger mental irgendwie auf dem Holzweg sei.

Tigers ausführlicher Twitter-Ausflug (sehr schön von Kiki bei E13 beschrieben) ist wohl als verzeifelter Versuch zu werten, seine Fans zu mobilisieren und die Stimmung wieder zu seinen Gunsten zu kippen. Oder zumindest ein wenig Zuspruch und warme Worte zu ernten.

Fakt ist: Die US-Sportpresse steht bei der Players Championship schon in den Startlöchern, um dem einst über den grünen Klee gelobten Helden wieder einen überzubraten. Sollte Woods erneut im Mittelmaß landen oder den Cut nicht schaffen, ist ihm der Spott gewiss. Sollte Woods allerdings gewinnen … dann ist das eigentlich noch besser. Denn nichts lässt sich so gut verkaufen wie ein ordentliches Comeback.

NACHTRAG: Tiger Woods hat nach 9 Löchern in der ersten Runde aufgegeben. Smithers, lassen Sie die Hunde los!

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Players Championship: The Show must go on

Die Amis bezeichnen die Players Championship auf dem TPC Sawgrass gerne als fünftes Major-Turnier. In Sachen Teilnehmerfeld hat diese Einschätzung tatsächlich seine Berechtigung. Auch wenn mit Lee Westwood und Rory McIlroy in diesem Jahr zwei “big player” der Weltrangliste fehlen. Dafür ist Martin Kaymer mit dabei, der an den ersten beiden Tagen mit Tiger Woods in einer Gruppe spielen darf. Letzterer ist angeblich fit und treibt schon mal eine ordentliche Bugwelle vor sich her. Siehe obiges Interview.

Auch bei der Players Championship ist Seves Tod noch immer ein Thema. Die Flaggen von Spanien und der PGA wehen derzeit auf Halbmast im Wind.

Zur Einstimmung ein paar wunderbare Videos. Ich empfehle insbesondere die Highlights (u.a. Couples, “Too much club” O’Hair und Tiger) der vergangenen Jahre vom 17. Loch. Außerdem interessant: Die Position von Martin Kaymer in der Favoriten Top Ten der PGA Tour Preview. Einen Besuch ist auch die Seite von Golf.com wert, deren Redaktion  ein interessantes Experiment an der grausamen 17. Bahn veranstaltet hat.

Und natürlich wie immer der Hinweis auf die sehr ausführliche Preview des Kollegen Linksgolfers.

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Team Golfnerd: Charles Barkley

Es gibt eine Menge Golfer da draußen, die ich wirklich wertschätze. Und die ich wirklich gerne in meinem Golfnerd-Ryder-Cup-Team hätte. Einer von denen ist … Charles Barkley.

Barkley hat wohl den schlimmsten Golfschwung aller Zeiten. Wenn der ehemalige Basketball-Star abschlägt, sieht es immer so aus als würde er versuchen, den Ball mit dem Kopf vom Tee zu befördern. Ständig wird er dafür verarscht. Sogar von Tiger Woods. Dessen ehemaliger Schwungcoach Hank Haney versuchte im Rahmen einer Realityshow, der NBA-Legende das Hacken abzugewöhnen. Zwecklos.

Regelmäßig wird Barkley von seinen Mitspielern gedemütigt, seine Flightpartner ziehen ihm bei irgendwelchen Golfwetten auf der Runde die Kohle aus der Tasche und auf Youtube gibt es unzählige Filmchen, die den grausamsten Schwung der Welt für die Ewigkeit archivieren. Während einstige Weggefährten wie zum Beispiel Michael Jordan recht vorzeigbare Handicaps vorweisen, bleibt Barkley für immer der ultimative Hacker, ein Nichtskönner. Für einen ehemaligen Profisportler die Höchststrafe.

Nichtsdestotrotz spielt der Mann mit der Glatze weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste. Barkley liebt Golf. Genau wie meine Wenigkeit. Und deshalb liebe ich Barkley. Komm ins Golfnerd-Team, Charles!

Ein kleiner Einblick in die Golfwelt des Charles Barkley.

Das große Finale des “Hank Haney Projects: Charles Barkley”.

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Einfach mal die Fresse halten

Profisportler sind nicht immer die besten Interviewpartner. Golfer schon gar nicht. Tiger Woods musste neulich viel Prügel für ein eher uncharmantes Gespräch mit den US-Fernsehen einstecken. Es ist nicht das erste Mal. Und auch seine Kollegen haben sich schon mit ihren öffentlichen Aussagen in die Nesseln gesetzt. Die besten “Um Kopf und Kragen”-Reden hat GolfDigest ausgegraben.

Hier geht es zur lehrreichen “Klappe jetzt”-Bildergalerie.

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Tiger Woods mal wieder am Ende

Das Knie, es ist das Knie. Schon wieder. Tiger Woods kann aufgrund einer Verletzung des Gelenks nicht an der Wells Fargo Championship in Charlotte teilnehmen. Schuld an dem ganzen ist laut Woods offzieller Webseite der wilde Schwung aus dem Pinienmulch an der 17. in Augusta. Einer seiner Sprecher erklärte der Nachrichtenagentur AP, Tiger hätte seit dem Masters keinen Schlag mehr gemacht. Merkwürdigerweise knüppelte der aber munter eine Woche später bei einer Nike-Promotion in China die Bälle (siehe unten). Hmmmm.

Eine Operation ist wohl nicht nötig. Tiger soll in ein paar Wochen wieder spielen können. Kein Grund für Cameron Morfit vom US-amerikanischen Golf Magazin nicht auf die ehemalige Nummer 1 einzudreschen und das Ende vom Comeback vorherzusagen.

Tiger ohne Kniebeschwerden in China?

NIKE GOLF & TIGER WOODS MAKE IT MATTER TOUR: 5000 FANS ON THE LINKS WITH GOLF ICON!

 

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Tigers wilder Schwung

Keine Balance und trotzdem ein perfekter Schlag. Bei der dritten Runde des Masters verschlug es Tiger Woods’ Ball an der 17.  in den Kiefernmulch. Die ehemalige Nummer 1 ließ sich davon sowie einem extrem tiefhängenden Ast nicht beeindrucken und haute die Kugel trotzdem aufs Grün.  Zur Belohnung gab es ein Birdie.

Golf Digest zeigt eine geniale Fotoserie von J.D. Cuban, die den wilden Schwung des Tigers in seine Einzelteile zerlegt. 

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Nike 20XI: Ballshit oder kein Ballshit?

Nike hat das Rad neu erfunden. Und ein Mittel gegen Krebs. Könnte man zumindest annehmen, wenn man sich das Feuerwerk an bedeutungschwangerer Werbung ansieht, dass die Produkteinführung (29. April) des neuen Balles “20XI” begleitet.

Tiger Woods und die anderen Vertragsspieler tragen ja schon seit geraumer Zeit den Namen der neuen Kugel auf ihren Kappen.  Auf der Homepage von Nike Golf wird natürlich noch einiges mehr aufgefahren. Dort läuft im Werbespot ein schwarzer Hengst (oder Stute, keine Ahnung) über den dunklen Golfplatz, macht die Fairways kaputt und sorgt für Überstunden des Greenkeepers. Außerdem erklären einem per Video die Nike-Golfstars, warum die Kugel von Rock Ishii (Nikes Balldesignguru) so unglaublich fantastisch ist.

Das Ei fliegt nämlich tierisch weit vom Abschlag und ums Grün herum lässt sich das Spielgerät ganz toll kontrollieren. Eindeutig Eigenschaften, von denen ich bislang noch nie auf einer Golfballpackung gelesen habe. Der neue Ball freut unter anderen ganz doll Michelle Wie, die sich so etwas doch glatt von Ishii San gewünscht hat. Tiger übrigens auch.

Wissenschaftlich lässt sich dieses Wunder der Technik natürlich auch erklären. Mit tollen Grafiken, technischen Zeichnungen und einem Gummikern, der nicht aus Gummi ist. Oder so. Eine Teflonpfanne ist auf jeden Fall ein Scheißdreck dagegen. Der Nobelpreis ist den Entwicklern sicher.

Was ich mich allerdings die ganze Zeit bei der gesamten Revolution des Golfsports frage ist, mit welcher Innovation uns Nike in 20XII beehrt?

Mein Highlight in diesem Nike-Spot ist übrigens Michelle Wies Wunschkonzert (ab 0:22 Min.) und Stewart Cinks Gesichtsausdruck während der Golfgeek ihm etwas vom Pferd, äh, Ball erzählt.

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Tigers schlechtes TV-Benehmen

Waren es die schlechten Fragen und ein schlechter Verlierer? Fakt ist, dass das CBS-Interview direkt nach Tiger Woods Finalrunde beim Masters 2011 eher nicht so nett rüberkam. Brandel Chamblee vom Golfchannel nimmt seinen Journalistenkollegen in Schutz. Und Geoff Shackleford ist ebenfalls der Meinung, dass Tiger ein wenig zu angefressen war. Aber seien wir doch mal ehrlich … die Fragen von CBS-Reporter Bill Macatee gehören doch eher in die Kategorie “Nervig”. Insbesondere wenn man gerade mal wieder nicht das Masters gewonnen hat.

Hier der Stein des Anstosses.

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Warum ich plötzlich Tiger-Fan bin

Jahrelang konnte ich Tiger Woods nichts abgewinnen. Der Mann war in seiner Perfektion einfach langweilig. Jedesmal wenn die damalige Nummer 1 im Golf einen Schlag versemmelte, freute ich mich deshalb in meinem Kämmerlein darüber. Natürlich folgte im Anschluss an das Missgeschick immer ein Wunderschwung, der alles gerade rückte und letztendlich doch irgendwie zum Turniersieg führte. Fast hätte man annehmen können, Tiger streue solche Fehler mit Absicht ein, nur um dann ordenlich mit seinem Können angeben zu können. Der Mann war die Pest. Eine Art FC Bayern München des Golfsports.

Die Zeiten haben sich geändert. Tigers Ex-Frau kann bestätigen, dass der Kerl alles andere als perfekt ist. Die diversen außerehelichen Affären (von denen angeblich im Medienzirkus PGA Tour keiner was gewusst hat bzw. die niemand gepetzt hat) machen deutlich: Tiger ist tatsächlich auch nur ein Mensch. Und das sieht man inzwischen seinem Golfspiel an.

Seit dem Sexskandal zeigt die Formkurve nach unten, mit den Turniersiegen läuft es nicht so und über die Majors wollen wir gar nicht erst reden. Tiger steckt in der Krise, das wurmt ihn sichtlich. Und genau jetzt erwische ich mich regelmäßig dabei, wie mein Herz für den ehemals besten Golfer der Welt schlägt.

Woods zeigt inzwischen Emotionen jenseits der legendären Tigerfaust. Nach all den Lügen in seinem Leben und der perfekten Marketingshow, lässt der Tiger derzeit tief in sein Seelenleben blicken. Er haut seinen Driver regelmäßig vor Wut in den Abschlag, flüchtet sich in Sarkasmus und lacht selbstironisch laut auf, wenn er mal wieder die Wälder und nicht das Fairway findet. Läuft ein guter Putt knapp am Loch vorbei, dann sieht man ihm die grenzenlose Enttäuschung an. Mir geht häufig genauso wie ihm und deshalb fühle ich mit. Und aus diesem Grund freue ich mich auch über jedes seiner Birdies und  Eagles.

Wenn es nach mir geht, sollte Tiger heute abend das Masters gewinnen. Mit Sicherheit mache ich dann die Tigerfaust in meinem Wohnzimmer.

PS: Falls übrigens jetzt jemand glaubt, ich würde derzeit den schwächelnden FC Bayern München gut finden … großer Irrtum. So schlecht können die überhaupt nicht spielen, dass ich Sympathie empfinde.