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Das teuerste Gummiband des Golfsports

Der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Nur so kann ich es mir erklären, dass es noch immer Leute gibt, die mit Produkten der Firma Power Balance rumlaufen. “I want to believe”, sagte ja auch schon FBI Special Agent Fox Mulder aus “Akte X” und jagte Außerirdische hinterher. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sich der Mann jemals ein Siliconarmband mit Hologramm umgehängt hätte, um auf der UFO-Pirsch größeren Erfolg zu haben.

Die Armbänder von Power Balance haben erwiesenermaßen keinen Effekt auf irgendwas. Zu diesem Ergebnis sind in den vergangenen Jahren diverse unabhängige Untersuchungen und Studien (siehe z. B. hier und hier) gekommen. Angeblich sollten die Bändchen nach Firmenangaben Gleichgewicht, Stärke und Flexibilität erhöhen. Von wegen. Die vermeintlichen Effekte entstammten entweder der Einbildung der Träger (Ich sag nur Placebo) oder beruhten auf Taschenspieler-Tricks der Verkäufer (eine Erklärung dazu gibt es unten als Youtube-Video). Man kann sich genauso gut eine Hasenpfote in die Unterhose stopfen.

In Australien wurde die einst irreführende Werbung des Unternehmens erfolgreich angeprangert. Gleiches geschah in Italien und den Niederlanden. Im Heimatland USA wurde Power Balance aus den ähnlichen Gründen vor Gericht gezerrt. Die Firma entschied sich 2011 für einen kostspieligen Vergleich – und meldete danach Insolvenz an. Daraufhin verklagten ehemalige Werbeträger wie die Basketballspieler Shaquille O’Neal und Kobe Bryant das Unternehmen – die Stars fühlten sich um ihre Honorare betrogen. Die großen Namen trugen die Bänder nämlich keineswegs nur aus sportlichen Gründen.

Warum ich das jetzt hier alles schreibe? Weil ich gestern in einer Filiale von Golf House war und die die Bänder tatsächlich noch immer an der Kasse verkaufen. Im Online-Shop steht es sogar unter der Rubrik Trainingsgeräte. 39,90 Euro soll eines dort kosten.

Power Balance ist noch immer im Geschäft. Sie haben nur ihre Werbung verändert – und hüten sich, irgendwelche Behauptungen aufzustellen, die sie vielleicht beweisen müssten. Dazu möchte ich nur das Q&A der deutschen Homepage von Power Balance zitieren:

“Wir wissen, dass es auch kritische Stimmen zu unseren Produkten gibt, aber wir versuchen nicht, Skeptiker vom Gegenteil zu überzeugen. Für uns ist nicht entscheidend, was andere darüber denken, sondern ausschließlich die Zufriedenheit unserer Kunden.  Jeder kann und sollte für sich selbst entscheiden, ob er unsere Produkte ausprobieren möchte oder nicht. Wir versprechen nichts.”

Na, das ist doch mal ein Deal.

5 Gedanken zu „Das teuerste Gummiband des Golfsports“

  1. Ja, es gibt sicher bessere “Trainingsgeräte”. Is war schon fragwürdig, als es damals als “neues Geheimrezept der Profisportler” auf den Markt gespült wurden. Ich kenne sogar Menschen, die ihrem Hund so ein Armband umgebunden haben. :-) Jedem das seine!

  2. @Thomas: das werd ich gleich ausrobieren, ganz nach dem Motto, der Glaube versetzt Berge..

    Scherz bei Seite. Es ist schon eine Frechheit, was da so verkauft wird – trotz besserem Wissen und offensichtlich ohne schlechtem Gewissen.

    Danke für den schönen Beitrag!

  3. Diese Bändchen sind mir auch schon oft aufgefallen. Haben mich ein wenig an Wolle Petry erinnert. Aber mit Freundschaft hat der Preis nun wirklich nichts mehr zu tun.

    Naja, wem es hilft und wer dafür Geld ausgeben will.. bitte.
    Ich bin kein Fan von Placebo-Bändchen.

    Vielen Dank für die direkt Worte :)

    Beste Grüße,
    Andreas @ Birdiesüchtig

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