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Wir nennen es Marktwirtschaft ODER Warum die Abschaffung der VcG nicht die Probleme der Golfclubs löst

“Sie haben kein Spielrecht. Sie dürfen überhaupt nicht gegen Greenfee bei uns spielen. Wenn das jeder so machen würde?”
- Sekretärin eines Golfclubs, März 2014

Es ist das tausendfach heruntergeleierte Schreckensszenario der deutschen Golfclubs: Alle spielen Golf, aber keiner ist mehr Mitglied.

Die Konsequenz:  Die Golfclubs sterben.

Mit Verlaub: Bullshit. Weiterlesen

Barrierefreies Golf

Arizona Sedona

In Sachen “Wie generieren wir mehr Golfspieler” fühle mich inzwischen wie eine tibetanische Gebetsmühle, aber man kann es eigentlich nicht oft genug sagen, schreiben und schreien: Wer hierzulande auf den Platz möchte, dem wird noch immer das Leben schwer gemacht. Beispiele gefällig? Sehr gerne.

Der Klassiker: die Platzreife

Die Platzreifeprüfung ist ein grausames Relikt deutscher Bürokratie. Sie gehört abgeschafft. Der “Führerschein” für Neu-Golfer soll dafür sorgen, dass diese ein Minimum an golferischen Können an den Tag legen, die Regeln und die Etikette kennen. Soweit die Grundidee. Und die Realität? Bullshit.

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Der frühe Vogel führt keine Gespräche

Generalverdächtige Greenfee-Spieler

Der frühe Vogel führt keine Gespräche

Den Freitag vor Pfingsten hatte ich frei. Nach einem kurzen Streitgespräch mit meiner Frau nutzte ich deshalb den Vormittag, um mal zu einer normalsterblichen Zeit auf dem Platz zu erscheinen. Leider hatte ich völlig vergessen, dass zu normalsterblichen Zeiten natürlich jede Menge Normalsterbliche beziehungsweise Innaherzukunftsterbende unterwegs sind. Sprich: die Rentnergangs bevölkerten die Bahnen.

Das ist im Prinzip nicht schlimm. Meist nehmen die älteren Herrschaften mich (sofern Platz vorhanden) nach ein paar Löchern Verfolgungsgolfen in ihre Gruppe auf. Das kann manchmal sehr nett und kuschelig sein. Am Freitag vor Pfingsten war es das nicht, schuld waren wie immer die verdammten Greenfee-Spieler. Und das kam so:

An unserer wunderschönen Bahn A7 hatte ich drei ältere Herren (einer im Golfcart unterwegs) relativ lange dabei beobachtet wie sie etwas verloren auf dem Fairway standen. Sie schienen auf irgendwas zu warten, beschlossen aber letztendlich, das Grün des Par-5 nicht mit dem zweiten Schlag anzugreifen und legten irgendwann flach vor.  Nachdem sie ihren Bällen hinterher getrottet waren, schlug ich meinen Drive des Tages. Der kleine Precept Laddie kam 20 Meter hinter den Senioren zum Stillstand.

Langsam schlurfte ich nun in Richtung der Landezone und als ich nach gefühlten dreizehn Stunden bei meinem Ball ankam, stellten die netten Herren überrascht fest, dass nicht nur vor ihnen gespielt wird.  Nach einer kurzen Kreativpause bot mir der Alpha-Opa das Mitspielen an. Ich fühlte mich geehrt und sagte brav “Danke”.

Leider folgte im Anschluss einer der drei klassischen Dialoge (der Vollständigkeit halber finden sich die beiden anderen am Ende des Textes wieder), die ich immer wieder mit den Senioren in meinem Club führen muss.

Alpha-Opa (zeigt auf den Viererflight auf dem Grün): “Das ist wirklich eine Frechheit hier. Die sind so langsam.”
Ich (mitfühlend): “Ja, das Problem kenne ich.”
Alpha-Opa: “Das sind doch bestimmt wieder Greenfee-Spieler. (kurze Pause, abschätzender Blick) Sind Sie Greenfee-Spieler?”
Ich: “Äh, nein. Ich bin Mitglied.”
Alpha-Opa: “Ja, das ist gut. Bei über tausend Mitgliedern verliert man schon den Überblick. Diese Greenfee-Spieler sind wirklich schlimm.”
Senior im Golfkart: “Ich ruf mal Fore, die sollen sich beeilen.”

Das Thema “Greenfee-Spieler des Bösen” wurde dann in verschiedenen Variationen auf den weiteren Löchern wiederholt. An Loch 9 sagte ich freundlich “Auf Wiedersehen”. Der Respekt vor dem Alter verhinderte an diesem Tag, dass ich Alpha-Opa samt Bande die Meinung sagte.

Mir geht dieses ewige Geschimpfe über die bösen Greenfee-Spieler (und natürlich die VCG-Schmarotzer), die keine Pitchmarken wegmachen, langsam spielen, die Regeln nicht kennen und niemanden grüßen, extrem auf den Geist. Nicht weil das Gequatsche nervt, sondern weil es nach meiner Erfahrung einfach falsch ist.

Liebe Clubmitglieder, es sind nicht die Greenfee-Spieler, die euren Platz und die Etikette nicht achten. Nein, ihr seid es selbst.

Wenn ich Greenfee-Spieler beobachte, die zu Besuch bei uns sind, dann fällt mir meist auf wie überkorrekt und höflich sie sind. Sie benehmen sich wie es sich für Gäste gehört: anständig. So wie ich es mache, wenn ich in einem anderen Club spiele. Natürlich gibt es auch bei den Greenfee-Zahlern Ausnahmen, aber die bestätigen die Regel.

Vielmehr ist es doch so, dass sich meist Mitglieder häufig aufführen wie die Vandalen. Sie rufen nicht “Fore” (es sei denn, wenn sie lahme Greenfee-Spieler vom Grün scheuchen wollen), schimpfen über die Platzqualität, besitzen aber ihre Pitchmarkengabel nur als Andenken, kreuzen vogelwild die Bahnen, lassen nicht durchspielen, spielen extrem langsam und lieben ihre Ballangel sowie die Suche im Aus. Natürlich dürfen sie das alles, denn es ist ihr Club. Und genau da liegt der Denkfehler.

PS: Zwei weitere Dialoge, die ich mit leichten Abwandlungen immer mit älteren Mitspielern führe (mein Freitags-Flight hat es geschafft, alle drei Konversationen innerhalb von drei Bahnen abzuhaken)

Klassiker 1

Senior: “Sie sind Mitglied?”
Ich: “Ja.”
Senior: “Aber Sie sind neu hier?”
Ich: “Nein, ich bin seit sechs Jahren oder so hier.”
Senior: “Komisch.”
Ich: “Wieso?”
Senior: “Weil ich Sie hier noch nie gesehen habe!”
Ich: “Das könnte daran liegen, dass ich arbeiten muss wenn Sie auf dem Golfplatz sind.”
Senior: “Hmm. Vielleicht.”

 Klassiker 2

Ich schlage einen guten Schlag mit ordentlicher Länge.
Senior 1: “Guter Schlag.”
Senior 2: “Der hatte Wumms.”
Ich: “Danke.”
Alpha-Opa: “Na ja, er ist ja auch viel jünger als wir.”
Senior 1: “Ja, stimmt.”
Senior 2 “Wenn wir in dem Alter angefangen hätten…”
Senior 1: “Als ich mit Golf angefangen hab, da war das noch ein sehr elitärer Sport.”
Senior 2: “Ich hab erst mit 60 angefangen.”

 Das Gespräch setzt sich fort, ich gehe derweil zu meinem Ball.