Kategorie-Archiv: In eigener Sache

Barrierefreies Golf

Arizona Sedona

In Sachen “Wie generieren wir mehr Golfspieler” fühle mich inzwischen wie eine tibetanische Gebetsmühle, aber man kann es eigentlich nicht oft genug sagen, schreiben und schreien: Wer hierzulande auf den Platz möchte, dem wird noch immer das Leben schwer gemacht. Beispiele gefällig? Sehr gerne.

Der Klassiker: die Platzreife

Die Platzreifeprüfung ist ein grausames Relikt deutscher Bürokratie. Sie gehört abgeschafft. Der “Führerschein” für Neu-Golfer soll dafür sorgen, dass diese ein Minimum an golferischen Können an den Tag legen, die Regeln und die Etikette kennen. Soweit die Grundidee. Und die Realität? Bullshit.

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Chickengate oder Witzigkeit kennt keine Grenzen

Da fragt der unbedarfte Moderator beim offiziellen European Tour Gala-Dinner Sergio Garcia ganz frech, ob dieser während der US Open seinen angeblichen Erzfeind Kollegen Tiger Woods abend zum Essen einlädt, und was antwortet der Spanier: “We will have him round every night. We will serve fried chicken.” – “Er wird jeden Abend da sein. Wir  werden ihm frittiertes Hühnchen servieren.”

Ha. Ha. Ha.

Sergio bedient sich also des negativ besetzten Klischees vom Afro-Amerikaner, der sich an frittierten Hühnchen labt, um ein wenig lustig zu sein. Er hätte auch Wassermelonen statt des Hühnchens nehmen können. Der Shitstorm auf Twitter ließ nicht lange warten (und hält noch immer an).

Der Spanier entschuldigte sich. Oder besser gesagt: Er ließ eine Entschuldigung über die European Tour verbreiten.

“I answered a question that was clearly made towards me as a joke with a silly remark, but in no way was the comment meant in a racist manner.”

Oder kurz: Das war kein Rassismus, es war ein Witz.

Tja, so eine dummdreiste Erklärung habe ich in abgewandelter Form schon unzählige Male von Golfern gehört.

Sexistische, fremden- und schwulenfeindliche Sprüche scheinen für einige auf deutschen Golfplätzen völlig in Ordnung zu sein. Man meint es ja nicht so, alles nur Spaß. Und wer das nicht versteht, der hat halt keinen Humor. Einfach mal locker bleiben.

Sorry, das sehe ich anders. Wer solche Witze macht, ist rassistisch, sexistisch und/oder schwulenfeindlich. Und es ist ein Irrglauben, dass der Golfplatz (oder das Clubhaus) ein Ort ist, an dem man(n) unter sich ist und genau aus diesem Grund solche Sprüche machen kann.

Solch ein Verhalten ist inakzeptabel. Das hat nichts mit der berühmten Political Correctness zu tun, sondern mit Respekt gegenüber meinen Mitmenschen.

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich immer für einen dummen Spruch zu haben bin. Aber es gibt Grenzen. Und Sergio hat diese überschritten.

Was schenke ich einem Golfer? Und was besser nicht.

Alle Jahre wieder: Zum Geburtstag, zu Weihnachten, zu Ostern oder zu was weiß ich noch für Anlässen – irgendwann überlegen Nicht-Golfer immer was sie einem Golfspieler schenken können und greifen dabei regelmäßig in die Tonne. Warum gibt es eigentlich immer diese furchtbaren Präsente von sogenannten Freunden und der lieben Verwandtschaft? Wahrscheinlich, weil sie es nicht besser wissen. Und weil unsere tolle Golfindustrie jeden Menge teuren und nutzlosen Scheiß herstellt.

Ein paar Beispiele des Präsent-Schreckens gefällig?

Die Ballangel: Irgendwann hatte ich drei Stück dieser mechanischen Rentnerarm-Verlängerungen in meinen Keller stehen. Unbenutzt natürlich. Wer solche Teile auf dem Platz benutzt und den Verkehr aufhält, sollte eigentlich sofort vom folgenden Flight ins Wasserhindernis geworfen werden. Ballangeln sind nur was für schlechte Verlierer.

Lustige Logobälle mit passenden Tees und Plastik-Pitchgabel: Hui. Ein Smiley auf dem Ball. Wie lustig. Oder die HSV-Raute. Oder noch schlimmer. Ab ins Wasser damit. Die Qualität dieser Bälle ist häufig unterirdisch, und meist schämt man sich auch noch für den Aufdruck. Und eine Pitchgabel aus Plastik? Nein danke. Lediglich die Tees erfüllen manchmal ihre Aufgabe. Aber die gibt es ohne peinliches Logo auch günstiger.

Witzige Schreibtisch-, Klo- oder Sonstwo-Golfsets: Ok, habe ich auch schon mehrfach geschenkt bekommen. In allen möglichen Ausführungen und Größen. Und wie oft habe ich damit gespielt? Niemals.

Bücher mit Golfwitzen: Meist haben die gesammelten Anekdoten/Zoten/Gags/Cartoons in diesem literarischen Meisterwerken nicht nur einen langen Bart, sondern auch leider null Witz. Schlimmer ist noch, dass ich mir diese Humorbomben häufig auf dem Platz anhören muss, wenn ich mir meine Mitspieler nicht aussuchen kann. Ha, ha, ha – selten so gelacht.

Aber wie geht es besser? Ganz einfach: Hier mal ein paar Geschenkideen. Darüber würde ich mich freuen:

Bälle: Ohne Logos. 12 bis 15 Stück. Bevorzugt von einem Markenhersteller und mindestens 2-Piece (einfach im Golfladen fragen). Im Zweifel Wilson, Precept, Nike, Callaway oder Noodle. Meine Millionärsfreunde dürfen mir gerne Titleist ProV1 schenken… muss aber nicht.

Tees: Das Low-Budget-Geschenk, ist aber immer gut. Die Länge ist relativ egal. ACHTUNG: Bitte keine Wintertees andrehen lassen.

Greenfee-Gutschein: Einfach mal schauen, welche Golfplätze in der Nähe sind und in dem der zu Beschenkende nicht Mitglied ist und die Greenfee (das Eintrittsgeld für eine Runde Golf) bezahlen.

Gutschein für den Pro-Shop: Zum Heimatclub des Glückskindes fahren, dort in den Pro-Shop (das ist der ortsansässige Laden, der den ganzen Golfkram verkauft) gehen und einen Gutschein erwerben. Alternativ kann man das auch bei Karstadt Sport + Spiel oder der Kette Golfhouse machen.

Ein SKY-Abo: Und zwar nicht irgendeines, sondern das Sport-Abo des Senders, damit man die PGA- und die European-Tour-Turnier sehen kann.

Gute (!!!) Golfbücher: Die meisten Golfspieler lieben Bildbände mit tollen Plätzen, die sie wahrscheinlich nie im Leben spielen werden. Ein anderes Buch, das ich empfehlen kann, ist das hier:

Abo für eine englischsprachige Golfzeitschrift: Ich würde mich zum Beispiel über ein Jahr “Todays Golfer” freuen.

Zeit: Nicht die Wochenzeitung, sondern tatsächlich Zeit. Einfach mal so stressfrei Golf spielen gehen dürfen. Darüber freuen sich besonders Mütter und Väter.

So. Das musste mal raus. Ich habe übrigens im Mai Geburtstag.

Und was habt ihr schon für furchtbare Golfgeschenke bekommen?

Südstaaten-Golf: Knarre im Bag, Georgia on my Mind

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Der coolste Greenkeeper der Welt wohnt in Harlan, Kentucky.

Zehn Tage bin ich im März mit dem Auto durch die US-Bundesstaaten Georgia, Tennessee und Kentucky geeiert. 2000 Meilen habe ich dabei abgerissen, acht große und kleine Städte besucht und neun Geschichten für meinen Arbeitgeber recherchiert. Glücklicherweise habe ich auch ein wenig Golf gespielt – sozusagen als Freizeitausgleich. Hier nun ein paar Reisenotizen aus dem Land der unbegrenzten Golfmöglichkeiten.

    • Wenn ein Golfclub zwei Kurse hat, dann sollte man sich vor dem Abschlag am ersten Tee immer versichern, dass man auch auf dem richtigen Platz ist. Ich habe das bei meinem Besuch im Stone Mountain Park(Georgia) nämlich nicht getan. Dementsprechend stand ich plötzlich ziemlich dumm zwischen zwei Turnier-Flights gequetscht auf Bahn 1 des Lakemont Course herum. Die Reaktion der beiden Typen, die mir folgten, war ziemlich nett: Sie adoptierten mich in ihr Team. Ich dankte es ihnen mit einem 10-Meter-Eagle-Putt, einem schönen Birdie-Chip-in und fast (aber nur fast) einem Hole-In-One. Zum Glück hatte nicht nur ich einen guten Tag, sondern auch meine Gefährten – wir gewannen das Turnier mit einer 62-Scramble-Runde. Also eigentlich ist es doch ganz gut, mal auf dem falschen Platz zu starten.

      gewinner
      So sehen Gewinner am Stone Mountain aus.
    • So nah und doch so fern: Augusta war mein erster Halt nach der Landung in Atlanta. Natürlich stand ich beim Augusta National Golf Club vor verschlossenen Türen. Dafür stattete ich jedoch den Public Courses Bartram Trail und Forest Hills einen Besuch ab. Lohnt sich. Auch wenn es kein grünes Jackett gibt. Meinen SPON-Artikel zum Augusta-Ausflug kann man hier lesen.
    • Wer seine Schläger in Deutschland kauft, ist selber schuld! Inzwischen bin ich schon Stammgast bei Dick’s Sporting Goods. Die Ladenkette ist eigentlich in allen semi-großen US-Städten zu finden und die Filialen sind mit riesigen Golfabteilungen ausgestattet. Ich legte mir in Atlanta am ersten Morgen ein Standbag von Slazenger, 30 Noodle-Bälle, einen Eisensatz Callaway Diablo Edge und einen Cleveland SL290-Driver zu. Kostenpunkt für das ganze Geraffel: etwas über 500 Dollar.
    • Nicht so unüblich: Südstaatengolfer tragen manchmal auch Schusswaffen im Golfbag. Wegen der Klapperschlangen und so.
    • Wer Kautabak auf der Runde angeboten bekommt, sollte dankend ablehnen.
    • Der coolste Greenkeeper aller Zeiten arbeitet im Harlan Country Club in Kentucky. Ich hab nur zehn Prozent seiner Wortbeiträge verstanden, aber er scheint ein sehr netter Kerl zu sein, der seinen Platz liebt.
    • Lexington in Kentucky ist für mich die windigste Stadt der Welt. Ehrlich. Die Runde im Kearney Hills Golf Club war recht verweht und verwegen. Zum Glück hatte mein Spielgefährte keine Knarre, sondern reichlich Kentucky-Bourbon im Gepäck.

Schlechter Stil in Wiesbaden

UPDATE: “Heinz” hat sich gemeldet und entschuldigt. Damit ist die Sache erledigt.

Eigentlich wollte ich nach den beiden Artikeln (eins und zwei) zum Thema Deutscher Golf Verband auf golfnerd.de einen kleinen Reisebericht zu meinen Golferfahrungen in den Südstaaten der USA veröffentlichen. Eigentlich. Und dann bat mich heute mein WordPress doch bitte folgenden Kommentar zu meinem Text “Und auf einmal war alles andere nicht wichtig” zu genehmigen:

“Als ob sie irgendjemand vermisst hätte”

Ich habe ihn genehmigt. Der nette Hinweis steht nun unter der Geschichte über den Diebstahl meines Autos und meiner Golfschläger kurz vor Weihnachten – und wie mein Blog dadurch pausieren musste.

Der Verfasser des Kommentars nennt sich “Heinz” und gab die fiktive Email-Adresse besserwisser@blablabla.de an. Er dachte wohl, er sei nun anonym. Dumm nur, dass ich seine IP-Adresse habe:

IP: 88.79.xxx.xx , mail.dgv.golf.de

Solche Aktionen sind natürlich auch eine Art, mit Kritik umzugehen, lieber DGV. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum man sich auf golf.de namentlich registrieren muss, um die Artikel dort kommentieren.

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Screenshot: uTrace

 

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Und auf einmal war alles andere nicht wichtig

Ende November gingen auf golfnerd.de die Lichter aus. Totentanz. Keine neue Postings, keine Besuche auf Facebook. Manchmal gab es einen Tweet. Ansonsten herrschte Funkstille. Warum?

Ganz einfach: Mein Leben und das meiner kleinen Familie erlebte nicht gerade eine glückliche Vor-Weihnachtszeit. Der übliche Stress in der Firma nahm plötzlich die Existenz bedrohende Formen an. Und dann wurde als Höhepunkt auch noch unser Auto gestohlen. Da waren wir allerdings schon so im Katastrophen-Modus, dass wir eigentlich nur noch drüber lachen konnten. Lustigerweise waren meinen Golfschlägern an Bord der Karre.

In Folgezeit kümmerte ich mich erst einmal darum, die Weichen für die kurzfristige Zukunft zu stellen. Unter anderem wechselte ich in meinem Golfclub von der aktiven in die passive Mitgliedschaft (die mir gnädigerweise erlaubt, ein paar Mal im Jahr gegen Greenfee auf unseren Platz zu dürfen). Golf stand ganz unten auf der Prioritätenliste.

Inzwischen hat sich einiges wieder in Wohlgefallen aufgelöst. Nur Golfschläger habe ich noch keine. Allerdings hoffe ich, dass sich das im März wieder ändert. Das Blog sollte vorher wieder in Wallung kommen.

An alle, die sich über mein Verschwinden gewundert haben, mir Mails geschrieben haben und sich auf Facebook nach mir erkundigt haben: Entschuldigung. Ich bin wieder da.

LogoSky_Deutschland

Ein offener Brief an Sky

Liebe Programmverantwortlichen von Sky,

warum schreibe ich einen offenen Brief? Weil ich die Befürchtung habe, dass sonst das Schreiben einfach so in der Versenkung verschwindet. Und weil ich hoffe, dass vielleicht noch ein paar Leute diesen Brief lesen, die ähnlich denken.

Martin Kaymer hat nach dem Ryder Cup eure Golfberichterstattung gerügt. Der Kommentar von Carlo Knauss war ihm nicht emotional genug. “Wenn man einen der größten Sport-Events so kommentiert, finde ich das lächerlich”, sagte Kaymer in einer Pressekonferenz. “Ich war nahe dran, sie anzurufen und zu fragen, was los ist.”

Die Kritik hat euch erreicht. Ihr habt geantwortet.

“Um ganz ehrlich zu sein, ist uns bislang das übergroße Interesse von Martin Kaymer an der deutschen Golf-Berichterstattung noch gar nicht aufgefallen”, lässt euer Pressesprecher launig verlauten. Am Kommentar gibt es aber nach eurer Auffassung nicht zu mäkeln. Mangelnde Emotionen seien das Produkt einer ausgewogenen journalistischen Berichterstattung.

Einen Lösungsvorschlag für interessantere Übertragungen hat euer Sprecher auch parat:  “Wir würden uns über einen sogenannten Media-Day mit einigen Top-Spielern zu Beginn der Saison freuen. Dabei könnten Interviews und sogenannte Aufsager für Programm-Trailer aufgezeichnet werden, die während der gesamten Saison gesendet werden könnten.”

Erst habe ich Tränen gelacht als ich diese Aussagen gelesen habe, dann habe ich mich unendlich geärgert. Über eure Arroganz. Eure Unverfrorenheit. Eure Selbstwahrnehmung.

Seit Jahren wird eure Golfberichterstattung beziehungsweise deren deutscher Kommentar kritisiert. Und zwar nicht von einer Handvoll Nörgler, sondern von einer Vielzahl eurer Abonnenten – der zahlenden Kundschaft. Darauf gab es meines Wissens keine Resonanz.

Carlo Knauss berichtet emotionslos. Seine Kommentare sind langweilig. Sie wiederholen sich. Er vermittelt keine Hintergründe, stattdessen werden Phrasen gefolgt von langen Pausen serviert. Mit journalistischer Ausgewogenheit hat dies nichts zu tun. Es fehlt ihm schlichtweg das Talent und das Handwerk für den Job.

Irek Myskow hat ähnliche Probleme. Allerdings sind seine Phrasen noch hohler und voller schiefer Bilder. Wie es um seine journalistische Ausgewogenheit bestellt ist, ist eine schwierige Frage. Myskow war Spielerbetreuer auf der Tour, stand auf der Lohnliste von Taylormade. Inwiefern er diese Tätigkeiten noch immer ausübt, ist mir nicht bekannt. Sein Kommentar lässt aber häufig an seiner Unabhängigkeit zweifeln.

Inwieweit im Vorfeld aufgezeichnete Aufsager und Interviews mit Top-Spielern die Programmqualität verbessern sollen, ist mir ein Rätsel. Diese hätten sich wahrscheinlich spätestens nach zwei Turnieren versendet. Danach wären sie nur noch eine ewige Wiederholung. Genau wie der Schüco-Spot. Genau wie die Rolex-Tipps (journalistisch ausgewogen kommentiert von Carlo Knauss). Genau wie der Audi-Spot. Genau wie die Phrasen eurer Kommentatoren.

Natürlich habe auch ich Vorschläge für eine Verbesserung eurer Golfübertragungen. Der erste Ratschlag ist ganz einfach: Sucht euch neue Kommentatoren, die Schlagfertigkeit mit Fachwissen verbinden und lasst sie als Team ans Mikrofon. Ich möchte endlich ein paar junge und engagierte Golfexperten mit Leidenschaft hören.

Ist das zu viel verlangt? Ich denke nicht. Wer denkt ähnlich?

Mit freundlichen Grüßen

Euer Abonnent Denis Krick

signale

Volkssportler, hört die Signale!

Ich rege mich gerne auf. Nicht beim Golf. Da bin ich meist die Ruhe selbst. Die Verzweiflung nagt auf dem Platz eher in mir und braucht nur selten einen Kanal nach draußen. Ich rege mich allerdings gerne über den deutschen Golfsport an sich auf. Die Verbände haben es mir da inzwischen ganz besonders angetan.

Viele Dinge, die seit Jahren in meinen Augen schief laufen, sind unseren wunderbaren Funktionären anzulasten. Es bewegt sich wenig und wenn doch, dann häufig rückwärts. Problemen geht insbesondere der DGV nicht wirklich auf den Grund, dafür ist man schnell dabei, fadenscheinige Entschuldigungen für Desaster wie die deutsche Ryder-Cup-Bewerbung zu finden.

Kritik funktioniert nur bedingt. Der DGV hört nur auf sich selbst, nicht auf externe Meinung. Und schon gar nicht auf meine Wenigkeit, einem Blogger. Man kann diesen Laden nur von innen ändern. Und genau das möchte ich versuchen.

Vielleicht ist es ein Anflug von Wahnsinn, wahrscheinlich habe ich einfach nur die Schnauze voll vom Zusehen: Ich möchte mich aktiv im Verband engagieren. Zunächst auf Clubebene.

In meinem Club läuft es eigentlich gut. Ich halte viel von unserer Jugendarbeit, dem Management und der grundsätzlichen Ausrichtung – ein wenig frisches Blut könnte dem Vorstand trotzdem gut tun. Deshalb werde ich mich im kommenden Jahr zur Wahl stellen. Wahrscheinlich werde ich nicht in ein Amt gehoben werden – aber ich versuche es wieder. Und wieder. Bis es klappt. Und es könnte ja sein, dass ich es irgendwann in den Landesverband schaffe. Oder in den DGV.

Ich bin mir sicher: Nur so kann sich langfristig etwas ändern. Vielleicht gibt es ja noch ein paar Wahnsinnige, die ähnlich denken – und die in ihren Clubs ähnliches versuchen wollen. Dann wäre ich zumindest nicht allein mit der kleinen Revolution. Dem deutschen Golfsport würde das mit Sicherheit gut tun. Je mehr wir sind, um so größer ist die Chance, dass einer Gehör findet.

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Ein digitaler Weckruf an die lieben Kollegen

Was mache ich hier eigentlich? Und was machen eigentlich meine lieben Blogger-Kollegen? Die Antwort ist relativ einfach. Wir schreiben über Golf. Wir machen das mit Leidenschaft. In unserer Freizeit. Manch einer hat davon nicht gerade viel – und doch setzen wir uns mehr oder weniger regelmäßig an die Tastatur, recherchieren Geschichten, machen Fotos, wühlen uns durch Statistiken und berichten über Turniere, Spieler, Plätze und persönliche Befindlichkeiten.

Warum machen wir das eigentlich? Grenzenlosen Enthusiasmus könnte man das in den meisten Fällen nennen. Die Begeisterung für das Spiel. Das Bedürfnis, sich auch außerhalb des Platzes mit Golf zu beschäftigen. Wir sind wie unsere Leser: Wir lieben Golf. Wir leben Golf. Wir leben allerdings nicht vom Golf – und das ist tatsächlich ein entscheidender Unterschied.

Von Zeit zu Zeit bekomme ich Angebote. Meist soll ich über irgendein Produkt schreiben. Oder über ein Reiseziel. Manchmal wird der passende Text schon mitgeliefert. Die dafür angebotene Entlohnung ist häufig lächerlich bis frech. Das hängt damit zusammen, dass Blogger hierzulande noch immer als drittklassige Schreiber gelten, deren Ergüsse nichts wert sind und die eigentlich auch keine Leser haben.

Weiterhin herrscht die Meinung vor, dass Blogger nicht nur billig, sondern auch käuflich sind. Diese Fehleinschätzung ist jedoch entschuldbar, denn schließlich handelt es sich dabei um gelerntes Verhalten: Die klassischen Golfmagazine hierzulande sind seit jeher Fundgruben für versteckte PR. Der Pressekodex, der eine klare Trennung zwischen Anzeige und redaktionelle Berichterstattung einfordert, wird hier regelmäßig mit Füßen getreten.

Die Qualität der Golfberichterstattung nimmt im Print-Bereich beständig ab. Die Magazine befinden sich einer tumben Wiederholungsschleife. Jedes Jahr werden die gleichen Themen in die Hefte gehievt: Schlägertests, in denen es eigentlich nur Sieger gibt, enthusiastische Reisegeschichten, unkritische Spielerporträts, die ewig gleichen Schwungtipps und eine Turnierberichterstattung, die entweder viel zu spät erfolgt oder nur den Zweck hat, Sponsorennamen zu erwähnen. Dazu kommt ein Hurra-Schreibstil, der jegliche Distanz vermissen lässt. Die deutschen Golfmagazine schreiben nicht mehr für die Leser, sondern nur noch für Anzeigenkunden, Verbände, PR-Agenturen und Spielerberater.

In einer E-Mail an einen anderen Golfblogger schrieb der stellvertretende Chefredakteur eines dieser Titel jüngst sinngemäß, der Unterschied zwischen Print (also ihm) und Online (also wir) sei, dass der Print-Journalist aufwändiger und gewissenhafter recherchiere. Eine hanebüchene Behauptung (und ich kenne weit über hundert Leute in meinem Großraumbüro, die ihn dafür auslachen würden). Insbesondere weil ebendieser Redakteur sich schamlos an einem Posting des Bloggers bedient hatte – und dieses damit abtat, dass Texte, die online verfügbar seien, Freiwild wären.

Die Unternehmen, die mit den Golfmagazinen zusammenarbeiten und dort Anzeigen schalten, haben anscheinend noch nicht erkannt, dass sie sich damit keinen Gefallen tun. Sie inserieren in einem Umfeld, das inzwischen jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat – und aus diesem Grund konstant an Reichweite verliert.

Die Verlage versuchen derweil mit allerhand Tricks die Auflage künstlich hoch zu halten. So finden sich zum Beispiel immer mehr Gratis- und Probe-Exemplare in den hiesigen Golfclubs. Die Verzweiflung ist anscheinend groß. Ein Mitbewerber am Markt (der eigentlich zu den besseren gehört)  präsentiert sogar eine lasziv fotografierte Profi-Golfspielerin auf dem Titelbild der aktuellen Ausgabe.  “Sex sells” als letzte Hoffnung.

Eine zukunftsorientierte Online-Strategie hat bislang keiner der Verlage parat. Die Webseiten der Magazine sind technisch, inhaltlich und vom Layout Relikte der Vergangenheit. Und auch hier versucht mancher mit billigen Klicktricks die “virtuelle Auflage” zu erhöhen,

Natürlich legen einige Verlage Hoffnung in die in Mode gekommenen Apps und digitalen Magazine im Apple-Store. Wer allerdings schon so gnadenlos im Netz versagt, der wird die Generation iPad nicht mit seinen verstaubten Inhalten erobern können. Die technische Evolution überspringt die alten Platzhirsche – und diese sind selber schuld.

Im deutschen Fernsehen findet Golf unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Pay-TV-Sender tut weiterhin alles, unseren Sport von den größtmöglichen Langweilern kommentieren zu lassen. Diese sind nicht nur um keine Phrase verlegen, sondern finden auch nichts dabei, als Werbeträger zu fungieren, Veranstaltungen wichtiger Anzeigenkunden zu moderieren oder weiterhin als Spielerbetreuer von Markenartiklern zu arbeiten. Auch hier gibt es selbstverständlich keine kritischen Fragen in der Berichterstattung. Stattdessen wird hofiert. Schulterklopfende Duz-Maschinen bei der Arbeit.

Natürlich gibt es Hoffnung. Einen Silberstreif. Denn die Konkurrenz im Netz ist längst besser, schneller und näher am Leser. Ich würde an dieser Stelle eigentlich gerne golf.de loben. Das Portal hätte die besten Vorraussetzungen, um zum SPIEGEL ONLINE des Golfsports zu werden. Doch auch hier greifen schon lange die alten Mechanismen: Anzeigen und Redaktion werden nicht klar getrennt, dazu kommt die Abhängigkeit vom Deutschen Golf Verband. Übliche Verdächtige dürfen hier PR-Artikel unterbringen – weil sie günstig Inhalte liefern. Eigentlich schade, denn manchmal – wenn man die Redaktion von der Leine lässt – kommen auch auf golf.de gute Geschichten zum Vorschein.

Golfpost.de, das selbsternannte Sprachrohr der unabhängigen Berichterstattung im Netz, ist derzeit nur eine Absurdität, belustigt mit merkwürdigen Überschriften sowie Texten – und hofft, mit für Suchmaschinen optimierten Artikeln Klicks zu generieren.

Bleiben noch die Foren wie das spicygolfforum, Facebook-Gruppen oder eben die deutschen Golfblogs. Hier werden Golfnachrichten schneller verbreitet und kritischer beleuchtet als irgendwo anders im deutschsprachigen Internet.

Ob nun eine fundierte Analyse von Kaymers Schwungproblemen, einen einzigartigen Nachruf auf Seve Ballesteros, eine Einordnung des Führungswechsels bei Golfsponsor Schüco oder fundierte Platzkritiken – es sind Blogs, die derzeit als einzige im Golfsport wirklich nach journalistischen Standards in Deutschland arbeiten. Erstaunlich, dass Privatpersonen dies leisten – und nicht die arrivierten Golfmagazine und -seiten. Blogs setzen hierzulande Themen, finden Nachrichten und machen Meinungen.

In den USA haben die großen Magazine längst die kreative Kraft der Blogger erkannt und hat manch einen als Zuträger engagiert. Ihre Postings werden prominent auf den großen Webseiten präsentiert. Bei uns wird es dazu nicht kommen.

Der Golfjournalismus hat seine Zukunft im Digitalen – in Blogs, Internetseiten und mobilen Apps. Es wäre schön, wenn die Leute, die für die Golfberichterstattung bezahlt werden, dieses erkennen würden. Denkt und arbeitet endlich wie Journalisten – und sagt, was ist.

He's dead Jim.

He’s dead Jim!

Keine Angst: Spock und golfnerd.de sind fast unsterblich.
Keine Angst: Spock und golfnerd.de sind fast unsterblich.

No Bones, he’s not.

golfnerd.de lebt noch. Auch wenn der Eindruck der vergangenen Monate ein anderer ist.

Das Kind braucht den Papa, die Arbeit braucht den ganzen Mann, die Frau braucht dringend bessere Arbeitszeiten – und schon rückt das geliebte Hobby in den Hintergrund. An Golfspielen ist derzeit fast überhaupt nicht zu denken, das Golfbloggen ist auf der Prioritätenliste auch weit nach hinten gerutscht.

Ich gelobe Besserung. Ab heute werde ich mich (fast) jeden Abend, an dem meine Göttergattin sich um einen ausgeglichenen Haushalt in unserem Haushalt bemüht, an den Rechner setzen und den golfnerd in mir wecken. Auch der digitale Setzkasten wird weiter befüllt. Es liegen noch ein paar Bälle auf Halde, die unbedingt einen Platz auf UNSPIELBAR verdient haben.

Das sollte klappen. In diesem Sinne: Bis morgen abend!