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Schlechter Stil in Wiesbaden

UPDATE: “Heinz” hat sich gemeldet und entschuldigt. Damit ist die Sache erledigt.

Eigentlich wollte ich nach den beiden Artikeln (eins und zwei) zum Thema Deutscher Golf Verband auf golfnerd.de einen kleinen Reisebericht zu meinen Golferfahrungen in den Südstaaten der USA veröffentlichen. Eigentlich. Und dann bat mich heute mein WordPress doch bitte folgenden Kommentar zu meinem Text “Und auf einmal war alles andere nicht wichtig” zu genehmigen:

“Als ob sie irgendjemand vermisst hätte”

Ich habe ihn genehmigt. Der nette Hinweis steht nun unter der Geschichte über den Diebstahl meines Autos und meiner Golfschläger kurz vor Weihnachten – und wie mein Blog dadurch pausieren musste.

Der Verfasser des Kommentars nennt sich “Heinz” und gab die fiktive Email-Adresse besserwisser@blablabla.de an. Er dachte wohl, er sei nun anonym. Dumm nur, dass ich seine IP-Adresse habe:

IP: 88.79.xxx.xx , mail.dgv.golf.de

Solche Aktionen sind natürlich auch eine Art, mit Kritik umzugehen, lieber DGV. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum man sich auf golf.de namentlich registrieren muss, um die Artikel dort kommentieren.

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Screenshot: uTrace

 

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Geliebter Versager

Es gibt zwei Dinge, für den ich den Terminal 5 in London-Heathrow wirklich liebe. Zum einen ist da “itsu”, ein wunderbarer Sushi-Takeaway-Laden nahe Gate A 15, in dem ich jedes Mal für zehn Pfund rohen Fisch mit Reis verschlinge. Zum anderen existiert in der modernen Abflughalle in einem kleinen Buchladen dieses herrliche Regal über dem “Sport” steht. Das Regal macht mich immer glücklich, denn es findet sich dort immer eine Golflektüre, die zumindest genug unterhaltsamen Stoff für Weiter- und Rückflug bietet.

Vergangene Woche griff ich mir dort einen echten Kracher raus – der Dank gebührt wahrscheinlich dem genialen Titel “Bring me the head of Sergio Garcia!”. Die Zeile übte einen hypnotischen Zwang auf mich aus. Das Buch ist schon etwas älter. Der britische Journalist Tom Cox hat es bereits 2007 veröffentlicht – aber es ist für mich ein zeitloses Meisterwerk der Golfliteratur.

Cox beschreibt darin den unglaublich pathetischen Versuch, seinen Lebensunterhalt als Profigolfer zu verdienen. Kurz vor seinem 30. Geburtstag kommt dem ehemaligen Jugendmannschaftsspieler die  wahnwitzige Idee, noch einmal anzugreifen. Cox versucht sich auf einer britischen Mini-Tour, nimmt Unterricht bei legendären Teaching-Pros, verstört Lee Westwood und darf sogar bei der Open-Qualifikation aufteen. Natürlich scheitert er famos – und wenn man nicht so laut lachen müsste, dann hätte man wahrscheinlich Mitleid mit dem feinen Kerl.

Dabei ist es gar nicht mal diese höchst unterhaltsame Geschichte des Versagens, die so großartig ist. Nein, es ist der Typ an sich. Cox und ich haben einfach die gleiche Einstellung zu vielen Themen, die die Golfwelt bewegen, und dieselben Probleme: Angefangen bei der furchtbaren Golfmode bis hin zu einer Ehefrau, die mir der weißen Kugel eigentlich nur Abneigung verbindet. Und wenn der britische Journalist beschreibt, wie er mit seinen Jugendfreunden nach Jahren wieder aufteet, dann geht mir beim Lesen das Herz auf.

In diesem Sinne: Bitte lesen!

Hier ist der Amazon-Link, ich hab mir jetzt sein erstes Werk bestellt: “Nice Jumper”.

Loch 10: Schwieriges Par-5 mit wenig Platz für den Drive.

Real McCoy: Trump International Scotland

Loch 10: Schwieriges Par-5 mit wenig Platz für den Drive.

Vergangene Woche habe ich ja bereits auf Spiegel Online versucht, ein etwas “größeres Bild” des Trump International Scotland zu zeichnen - eines, das auch Nicht-Golfer verstehen. Jetzt ist es mal an der Zeit, ein wenig ins Detail zu gehen.

Fangen wir mit dem Negativen (abseits des furchtbaren Besitzers) an: Die Driving Range ist keine Schönheit, der Golfpark Weidenhof in Pinneberg hat einen schickeren Trainingsacker. Natürlich gibt es Freibälle zum Wegknüppeln, doch statt einer feudalen Titlist-Pyramide findet sich hier lediglich eine Schicht Taylormade. Da hatte ich eindeutig mehr erwartet – insbesondere wenn man  normalerweise vorher 150 britische Pfund (Wochenende: 200 Pfund) für 18 Loch bezahlen muss.

Wichtiger als das standesgemäße Einspielen ist auf dem Platz – und der ist brandneu. Das bringt natürlich auch ein paar Nachteile mit sich. So werden derzeit die Fairways noch regelmäßig heftig gesandet (um das Gras zum Wachsen zu motivieren), punktuell mit schaumigen Dünger bearbeitet (was aus der Entfernung betrachtet aussieht,  als würden dort 200 Bälle verteilt liegen) und die Grüns sind noch nicht annähernd so schnell wie sie wohl mal sein sollen. Sie sind grottenlangsam.

Das Personal war durchgängig freundlich und hilfsbereit. Allerdings war es auch ziemlich jung – was manchmal mit einer gewissen Naivität einherging und aus meiner Erfahrung nicht immer hilfreich im ruhigen Umgang mit verwöhnten Gästen ist. Aber wahrscheinlich ist die Aberdeener Jugend günstig zu haben – und man könnte Trump (aka “The Donald” wie ihn mein Taxifahrer immer nannte) für diese Jobinitiative auch loben.

Einen Caddie habe ich mir nicht gegönnt. Die stressen mich eigentlich immer mehr als das sie mir helfen. Nichtsdestotrotz gibt es sie: Sie kosten 45 Pfund plus Trinkgeld und machen in ihren schicken Leibchen eine ganz gute Figur. Private Trolleys sind nicht erlaubt – für 10 Pfund gibt es Leihgeräte mit Elektromotor.

Das Clubhaus ist ein provisorisches Clubhaus. Auch hier hält sich das Feudale ein wenig in Grenzen und findet sich hauptsächlich in den Preisen des Pro-Shops (zwei Pfund für eine Handvoll Tees) und des Mini-Restaurants wieder. Wer übrigens vorhat, bei seinem Besuch in letzterem zu speisen, der sollte möglichst rechtzeitig reservieren. Der Platz ist hier doch arg überschaubar.

Die Umkleiden sind ebenfalls winzig. Schränkchen, Pinkelbecken und Latrinen sind in einem Raum untergebracht. Wenn sich mehr als drei Leute gleichzeitig in die Klamotten schmeißen wollen, wird es schon schwierig. Duschen habe ich übrigens nicht gesehen.

Irgendwann soll es ein neues Clubhaus geben – wann das kommt, weiß jedoch nur Trump persönlich.

So, nun aber zum Platz. Der ist großartig. Und zwar nicht nur von der Optik, sondern auch vom Spielspaß. Jedes Loch hat fünf verschiedene Abschläge (gelb, blau, weiß, grün und rot – für Profis wird dann schwarz aufgemacht) und der Starter macht “einen Vorschlag”, von welchem man den Kurs in Angriff nehmen sollte. Wir durften von den blauen Tees (73.8/140)  ran, und das war eine gute Empfehlung.

Insgesamt fand ich das Layout (Architekt: Dr. Martin Hawtree) fair, aber anspruchsvoll. Die designierten Drive-Landezonen waren bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Loch 10) sehr geräumig gestaltet. Da die Fairways nicht allzu wellig sind, hält sich das Perfekter-Abschlag-und-trotzdem-ins-Rough-gesprungen-Syndrom angenehm zurück. Wer allerdings tatsächlich mal extrem nach links oder rechts verzieht, der hat ein großes Problem: das hohe Gras in den Dünen ist die Hölle. Rettung gibt es meist keine. Deshalb mein Ratschlag (und der, der Caddies): Provisorischen Ball spielen und sich das Suchen schenken.

Der zweite Schlag erforderte immer ein ordentliches Maß an Längenkontrolle, da hier häufig die Topfbunker ins Spiel kommen. Beim Angriff auf das Grün gilt, dass man lieber zu kurz als zu lang ist, denn auch hier lauert das Rough direkt dahinter.

Natürlich spielt auch das schottische Wetter eine nicht unerhebliche Rolle. Während meines Golfausflugs pustete der Wind jedoch nicht aus allen Rohren und es regnete nur für zwei Löcher. Da ging es eigentlich ganz gut voran. Bei Sturm würde ich allerdings keine Runde auf dem Trump International Scotland empfehlen – würde ich aber auch nicht für andere Linkskurse.

Zum Schluss noch mal kurz meine Lieblingslöcher:

Loch 3: Malerisches Par-3 mit direktem Strandzugang. Unglaublich schön, unglaublich schottisch. Ein ordentlicher Hook und man kann die Badehose einpacken.

Loch 4: Das schwierigste Loch des Kurses: ein schickes Par-5 mit vielen Topfbunkern auf dem Weg zum Grün und einem kleinen Bach auf der rechten Seite.

Loch 6: Birdie. ‘Nuff said.

Loch 7: Risk and Reward – ein Par-4 zum Angreifen. Herrlich.

Loch 10: Ein Par-5 mit Meerblick: Extrem schmales Fairway, traumhafte Aussicht auf die Nordsee, harter zweiter Schlag. Genial.

Loch 12: Längenkontrolle, Längenkontrolle, Längenkontrolle. Das Par-4 ist pure Strategie. Macht Spaß. 

Loch 13: Mal wieder ein extrem hübsches Par-3.

Trostloses Einspielen.

Mehr Bilder gibt es unter My private Golfporn und auf Spiegel Online.