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BUNKER

Real McCoy: Warum wir alle Budersand spielen sollten

 
 “Your eyes can deceive you; don’t trust them.” 
Obi Wan Kenobi in “Star Wars”

Man merkt manchmal erst wie blind man war, wenn einem die Augen geöffnet werden. Eine Runde in Budersand auf Sylt kann diesen bewusstseinserweiternden Effekt haben. Zumindest durfte ich diese Erfahrung machen.

“Ihr Deutschen”, sagte gestern mein Flightpartner James Ellis und schüttelte mitleidig den Kopf. “Immer wollt ihr die Bälle schön hoch schlagen.” Der schottische Greenkeeper dürfte Recht haben. Ich hatte gerade vier Löcher lang miterlebt wie traumhafte Eisenschläge meinerseits auf Höhe der Fahne landeten – nur um dann erbarmungslos vom Grün zu rollen. “Links-Kurse spielt man anders”, sagte James.

Echte Links-Kurse wie Budersand spielt man tatsächlich anders. Ständig pustet einem der extreme Wind die Bälle in alle Himmelsrichtungen, die welligen Fairways sowie Grüns sind knochenhart und Topfbunker freuen sich über regen Besuch. Wer es hier mit 08/15-Golf versucht, der stirbt in Schönheit.

In Budersand braucht es viel Strategie, Punches mit den langen Eisen, zehn Meter lange Putts vom Vorgrün, flache Pitch-Shots mit dem Eisen 7 oder 8 und manchmal nicht einmal am Par-5 einen Driver. Hier spielt man nicht nur gegen das Wetter, sondern auch mit ihm. Man benötigt viel Gefühl und Gespür, um den richtigen Schläger, die richtige Landezone und den richtigen Schlag auszuwählen.

“Links-Golf ist das ursprüngliche Golf”, sagte James. Man kämpft mit der Natur und genießt gleichzeitig deren raue Schönheit. 

Mich hat die gestrige Runde wieder daran erinnert, wie variantenreich Golf ist. Und sie hat mir aufgezeigt, wie eindimensional mein Spiel in den vergangenen Jahren geworden ist. Ich wollte die Bälle immer nur hoch und schön schlagen. Damit ist jetzt erst einmal Schluss.

PS: Auf meiner zweiten Runde traf ich an Loch 3 zwei sympathische Burschen mit bayrischem Akzent. Sie kamen im Kart angerauscht und sagten, sie hätten auf dieser Bahn abgebrochen. Wegen des Regens. Sie ließen mich durchspielen und setzten dann ihre Runde fort. Ich hätte ihnen einen schottischen Flightpartner gewünscht …

Zwei Bilder von Budersand gibt es auf My Private Golfporn zu sehen. Weitere werden folgen.

Loch 15 oberhalb des Abschlags  und kurz vor dem Grün.

The Rambler rules the Sea

Real McCoy: Sundowner auf dem Golfplatz Lutzhorn

Er ist tatsächlich einer meiner Lieblingsplätze in Deutschland: der 18-Loch-Kurs in Lutzhorn. Zugegeben, die Anlage in der Wallachei nahe Elmshorn genießt nicht den besten Ruf bei uns in der Gegend. Die Grüns seien scheiße, die Fairways ungepflegt und das Publikum sei auch nicht das beste, heißt es allgemein. Die würden ja jeden auf den Platz lassen und dementsprechend würde der Acker auch aussehen.

Nun ja. Die Grüns gewinnen wirklich keine Schönheitspreise und die Bahnen könnten mal ein wenig häufiger gemäht werden. Das stimmt. Außerdem würde den Bunkern ein wenig frischer Sand gut stehen. Tja, und das Publikum? Zu denen gehöre ich. Lutzhorn ist einfach der absolut beste Platz, wenn man mit seinen Graugolfer-Freunden problemlos eine entspannte Runde spielen möchte. Denn es stimmt: Hier darf jeder auf den Abschlag – auch ohne DGV-Ausweis mit Hologram. Und das ist auch verdammt gut so.

Schlimme Hacker, die sich wie Mitglieder der hunnischen Golfnationalmannschaft aufführen und den Platz verwüsten, sind mir hier noch nicht begegnet. Dafür aber eine Menge Typen in Jeans und T-Shirt, die auch mal auf der Runde ein kaltes Bier trinken. Oder  ein paar Neueinsteiger wie meinen Cousin samt Kumpels, die eine richtige Runde spielen wollen, ohne gleich irgendwo Mitglied sein zu müssen. Entspanntes Feierabend-Golf halt. Der Preis für das Vergnügen ist sowieso unschlagbar:  20 Euro kostet eine Runde nach 16 Uhr an Wochentagen. 35 Euro ist der Standardtarif (WE 45 Euro bzw. 25 Euro ab 16 Uhr).

Außer der entspannten Club-Attitüde und dem extrem günstigen Preis gibt es allerdings einen noch viel besseren Grund, um nach Lutzhorn zu fahren: das Coursedesign. Bahn Nummer 1 zählt wohl zu den schwierigsten Eröffnungen der Region (angeblich hat Darren Clarke hier den Ball mal aufs Grün gedrivet) und die Löcher 10, 11 und 12 sind ein Triptychon des schmuddeligen Golfporns. Die drei Bahnen verlaufen idyllisch rund um einen Baggersee – und sind spielerisch eine Wucht. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Löcher, die dank enger Fairways, blinder Schläge und klitzekleiner Grüns  richtig Laune bringen. Natürlich gibt es auch ultra-langweilige Bahnen (2,3, 16-18), die so gar nix zu bieten haben. Aber die haben ja auch die meisten anderen Clubs im Programm.

Das inoffizielle Clubhaus der Sundowner ist übrigens auch nicht schlecht: der Burger King an der A 23, Ausfahrt Tornesch. Bier gibt es an der Tanke nebenan. Weltklasse.

Anbei ein paar Bilder meiner vergangenen Runde mit den lieben Kollegen und dem Rambler (Abbruch wegen Dunkelheit an Loch 15, die Grüns waren tiptop). Fast alle liebevoll mit der iPad-App Instagram verschandelt. Ich mag sie trotzdem.

Loch 12, Par 4: Der Drive muss über den See. Der Rambler hat die Tigerline.
Loch 8, Par 4: Ein klitzekleines Grün mit Hang nach hinten.
Loch 1, Par 4: Extrem schmales Grün. Links, rechts, vorne, hinten – alles scheiße.

 

Loch 4, Par 3: Vom Abschlag knapp 200 Meter bis zur Grünmitte. Da darf man auch mal im Bunker liegen.
Loch 10, Par 4: Eigentlich eine einfache Angelegenheit. Wenn da nicht der See rechts und das Aus links wäre.
Loch 11, Par 3: Zur Abwechslung mal ein riesiges Grün.
Loch 13, Par 5: Blaue Stunde ganz ohne Instagram.
Hier kreuzen Bahn 13 und 14: Nach Loch 15 war aufgrund der Dunkelheit dann Schluss.