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Golf Time: Die beste Überschrift aller Zeiten

Es muss in einem Anflug von Selbsterkenntnis geschehen sein: Die aktuelle Titelzeile könnte das Golfmagazin “Golf Time” nicht besser beschreiben. Auf der furchtbaren Internetseite des Brunnthaler-Blattes wirkt diese noch stärker. Noch peinlicher. Und noch treffender.

Vielleicht hat ja der ehemalige “Golfpunk”-Chefredakteur Götz Schmiedehausen, der nun als Vizechef der “Golf Time” agiert, vergessen auf den Titel zu schauen. Oder der Brunnthaler-Oskar selbst hat sich die Zeile ausgedacht und keiner hat sich getraut, dem Meister der Münchner Bussi-Golfszene zu sagen, dass das keine gute Idee ist.

Egal. Irgendwie passt’s schon. Schade ist nur, dass mir die unendliche Zeile der Weisheit erst jetzt ins Auge gesprungen ist. Könnte daran liegen, dass ich das Blatt sonst nur mit der Kneifzange anfasse.

(Screenshot golftime.de)
(Screenshot golftime.de)

 

whatsbag

Ihr geht mir auf den Sack!

What’s in your bag? Diese Frage stellt inzwischen jedes Golfmagazin und jede Golfwebseite irgendwelchen Tour-Pros in Bezug auf ihr Equipment. Ehrlich gesagt: Die Antworten interessieren mich nicht. Ich will nicht wissen, was Luke Donald in seiner Tasche trägt. Oder Jason Day. Oder gar Ricky Fowler. Es ist mir reichlich egal, ob die Jungs mit Callaway, Titleist, Cobra oder Topflite spielen, denn diese Information hat weder einen Mehr- noch einen Unterhaltungswert. Und in vielen Fällen ist das Ganze noch nicht einmal überraschend: Die meisten Profis tragen die Antwort auf ihren lustigen Golfkappen.

Sobald irgendeine Nase ein Turnier gewinnt, wird sofort publiziert, was der Kerl in seinem Bag hatte. Daher weiß ich dank Golf.com nun, dass Heritage-Sieger Brandt Snedeker mit einem TaylorMade Burner SuperFast (10.5°) mit Fujikura Morore F1 2.0-Schaft abschlägt, Bridgestone-Tourstage-GR-C-1-Eisen spielt, ein Bridgestone- (54 Grad) sowie ein Cleveland-Wegde (60 Grad) hat und mit dem Oyssey White Hot XG Rossie seinen Bridgestone B330-S-Ball puttet. Aha. Und nun?

Nun soll man sofort in den Pro-Shop rennen oder im Internet einfach auf den entsprechenden Link klicken und sich den ganzen Scheiß pronto kaufen – schließlich hat Brandt Snedeker damit ein PGA-Turnier gewonnnen. Ergo kann jeder mit all diesen Schlägern und dem Ball auch  Turniere gewinnen. Wer so einen Mist glaubt, der sollte sein gesamtes Golferleben lang mit einem Starterset von Tchibo spielen müssen.

Die “What’s in your bag”-Frage dreht sich nicht um die Golfbags der Tourspieler, sondern um die Brieftaschen der Amateure, denen so das Geld für neues Equipment rausgeleiert werden soll. Nicht nur diejenigen, die schon mal auf einem Turnier der PGA oder European Tour waren und die dicken Trucks von Taylormade, Ping und Konsorten gesehen haben, sollten allerdings inzwischen wissen, dass die Pros nicht mit handelsüblichen Schlägern spielen, sondern über extrem gefittetes Material verfügen.

Snedekers Driver hat mit dem gleichnamigen Modell aus dem Kaufhaus soviel gemein wie Crystal Meth mit einem Päckchen Brausepulver. Nicht zu vergessen, dass Abschläge nicht zwangsläufig gerader werden, nur weil man sich den TaylorMade Burner SuperFast (10.5°) zulegt. Eine Erkenntnis, die manchem Amateurgolfer bislang jedoch nicht gekommen zu sein scheint. Schließlich vergeht kein Turnier, bei dem nicht irgendeiner meiner Mitspieler die Schuld für den Slice beim Driver und nicht bei seinem Schwung sucht.

Mir wäre es lieber, die Golfmedien würden häufiger “What’s on your mind?” fragen, anstatt ständig dieses bescheuerte Marketingspielchen zu veranstalten.

Bleibt abschließend nur noch eine Frage: What’s in my bag (ProAce)? 

Driver:
Nike Sasquatch SQ 460 (10.5 Grad)

Eisen:
Nike Slingshot 0SS 5,6,7,9, PW Stahlschaft (Eisen 8 neulich irgendwo verloren, Eisen 4 an einer Birke vergessen und es gab keinen ehrlichen Finder), Eisen 4 mit Stahlschaft von irgendeinem Billighersteller

Wedge:
No-Name-Lobwedge (60 Grad), für 30 Euro im Lagerverkauf erstanden 

Hölzer:
Bayhill 3, 5, 7 (keine Ahnung wie die genaue Modellbezeichnung ist, waren in meinem allerersten Schlägersatz)

Putter:
Nike OZ 4

Erspielte Preise: Kaffeemaschine (macht 1-A-Latte), Wochenende Robinson Club Fleesensee, Golfschuhe, Rotwein, Rotwein, Rotwein, Schlägerfitting in Dänemark (Gutschein verfallen), diverse Proshop-Gutscheine, Rotwein, Bälle, Handschuh. Und noch mehr Rotwein.

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GolfPunk: Des Buyer’s Leid

Nun hab ich ihn mir auch besorgt, den GolfPunk Buyer’s Guide 2011. 4,50 Euro kostet das “Sonderheft mit allen brandneuen Produkten”. Ein stolzer Preis für einen Katalog, in dem man nichts bestellen kann und dessen Informationsgehalt über bunte Bildchen inklusive Marketingsätzchen, Preisangabe und einen Hinweis für welches Handicap der Apparat geeignet ist, nicht hinausgeht. Wer ein Testergebnis im Stile von GolfDigest’s Hotlist erwartet, der sollte sich lieber die entsprechende Ausgabe des GolfDigest (Nein, nicht das GolfMagazin!!!) kaufen. Aber egal. Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige Hacker, der solch eine überflüssige Hardware-Bibel zum stillen Studium in Nähe zum Klo aufbewahrt.

Laut lachen musste ich teilweise beim Lesen des Editorials von GolfPunk-Chefredakteur Götz Schmiedehausen. Dort beschreibt der fotogene Kerl, wie eine Düsseldorfer Großdruckerei (die VVA) Pleite ging und ihre Tochterfirma (der B&D-Verlag) mit in den Pleitestrudel zog. Und wie der alte Verlegerhaudegen und ehemalige Besitzer des B&D-Verlags, Wolfgang Block, GolfPunk heldenhaft aus der Insolvenzmasse barg und dem Magazin neues Leben einhauchte. Ein schönes Märchen.

Sagen wir mal so. Wer 1 und 1 zusammenzählt, der kann sich vielleicht denken, warum Wolfgang Block anno 2007 den Abflug machte und sein seinen Verlag an eine Druckerei überging verkaufte. Von den ständigen Gerüchten, die damals kursierten, wie die Auflagenzahlen der B&D-Hefte zusammengerechnet wurden, wollen wir hier gar nicht erst anfangen zu erzählen. Das wäre ja auch reine Spekulation.

Unter Blocks Herrschaft kündigte nicht ohne Grund so mancher Chefredakteur des BLOND-Magazins (ebenfalls B&D). Und auch freie Autoren waren nicht immer gerade zufrieden mit dem Geschäftsgebahren des Mannes. Ich kenne nicht nur einen Kollegen, der sein Honorar erst dann aus dem Hause B&D überwiesen bekam, als der Anwalt die Rechnung schrieb.

Block, der laut Schmiedehausen das schaffte, “was den Beatles nie gelang, nämlich die Wiedervereinigung der Band” (GolfPunk ist gemeint), ist nun also wieder am Ruder. Pulse: Publishing heißt sein neuer Verlag. Außerdem hat er bei der Werbeagentur Philipp und Keuntje angeheuert und soll dort das Corporate Publishing ankurbeln.

Dass in der neuen Heimat von GolfPunk jetzt alles besser wird, ist vom Buyer’s Guide nicht abzulesen. Sämtliche redaktionellen Texte (schön geschrieben, aber auch eher aus der Kategorie “altbekannte Weisheiten”) sind von Schmiedehausen im Alleingang fabriziert. Im Impressum findet sich noch der leitende Redakteur Jan Langenbein und “the big chief” Michael Pantelouris, der als Editorial Director für alle Pulse-Hefte mit seinem guten Namen gerade steht. Letztere Personalie ist tatsächlich mit der Hoffnung verbunden, dass sich vielleicht doch noch alles zum Guten wendet.  Nichtsdestotrotz erinnert das Konstrukt an “Viele Häuptlinge, keine Indianer” mit Block als Manitu.

Anzeigentechnisch sieht der Buyer’s Guide nicht gerade wie ein voller Erfolg aus. Zwar findet sich eine stattliche Anzahl an Werbekunden, doch wenn man genau hinschaut, ist es schwer zu glauben, dass da viel Geld verdient wurde (könnte sich allerdings immer noch rechnen, wenn Schmiedehausen tatsächlich alles solo gewuppt hat). Kunden wie Airwaves, Heineken Carlsberg oder die Region Tirol sind wohl als Sponsoren der GolfPunk-Tour, die mit dem Heft eigentlich nur den Namen gemein hat, im Magazin gelandet und dürfen sich dementsprechend auch über ordentlich Rabatte freuen. Und wenn sich Golfclubs wie Gut Wulfsmühle oder Gut Apeldör ganzseitige Anzeigen leisten können, dann fragt man sich natürlich, was so eine Seite DIN-4 kosten mag.   Aber ich kann mich irren … und es wäre ehrlich gesagt schön, wenn es so wäre.

Bleibt noch das Thema Abonennten. Schaut man zum Beispiel im Spicy Golf Forum vorbei, dann findet sich dort jetzt schon eine stattliche Anzahl von unzufriedenen Altkunden, die bislang vergeblich auf den ihnen versprochenen Buyer’s Guide 2011 warten.  Diesen Herrschaften sei gesagt: Ihr verpasst nichts.

PS: Warum wird im Editorial ständig Buyers Guide geschrieben und auf dem Titel steht Buyer’s Guide? Aber das ist nun wirklich kleinkariert von mir. Ernsthaft, ich wünsche mir ein neues, besseres GolfPunk-Magazin. Die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben. Möge der 29. April kommen!

Werbung oder Artikel? Ausriss aus "Golf Journal" 4/11

Schleichender Verdacht

Beim Golf gibt es jede Menge Regeln, die es einzuhalten gilt. Und die meisten Golfer sind sehr darauf bedacht, diese auch zu befolgen. Wehe demjenigen, der sie bricht. Der Journalismus hat auch einige Regeln. Eine besagt, dass man redaktionelle Inhalte und Werbung strikt trennen muss. Komischerweise halten sich aber gerade die deutschen Golfzeitschriften nicht unbedingt an diesen Grundsatz.

Jüngstes Beispiel ist die aktuelle April-Ausgabe des “Golf Journal” aus dem Atlas Verlag. Gleich an mehreren Stellen kommt der Verdacht auf, dass hier nicht wirklich zwischen Anzeige und redaktionellem Text ein sauberer Strich gezogen wurde.

Werbung oder Artikel? Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!
Werbung oder Artikel? Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!

So findet sich in der Rubrik “Szene” auf Seite 105 ein Artikel über das Hartl Resort Bad Griesbach mit der Überschrift “Saisonstart im bayrischen Golfdorado”. Dieser trägt alle typischen Merkmale eines Advertorials, also eines gekauften Textes im redaktionellen Gewand. Das Logo des Resorts ist gut sichtbar platziert, die Hotelnamen werden völlig unüblich mit der Anzahl ihrer Sterne ausgeschrieben, der Sprachstil des Artikels ähnelt einer Werbebroschüre. Dazu finden sich detaillierte Informationen zu Preisen und Aktionen. Normalerweise müsste diese Seite mit dem gut sichtbaren Zusatz “Anzeige” versehen werden, doch diesen Hinweis sucht der Leser vergebens.

Noch merkwürdiger verhält es sich mit einem vierseitigen Artikel über den Laureus World Sports Award 2011. Einer der Hauptsponsoren dieser Veranstaltung ist der Autohersteller Mercedes-Benz, der auch in dem Text von Philipp von Schönborn noch einmal in einem Infokasten eine besondere Behandlung erfährt. Dort wird in allerfeinster Marketingsprache (die Hälfte des Ergusses stammt schließlich aus der offiziellen Pressemitteilung des Automobilherstellers) das Engagement des Unternehmens im Golfsport erklärt. Der Verdacht liegt sehr nahe, dass diese Hofberichterstattung mit einer doppelseitigen Anzeige von Mercedes-Benz auf den Seiten 86/87 zusammenhängt.

Mercedes-Benz ist toll. Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!
Mercedes-Benz ist toll. Ausriss aus "Golf Journal" 4/11. Zum Vergrößern anklicken!

Die Firma Titleist schaltete ebenfalls für den Monat April eine doppelseitige Anzeige im “Golf Journal” und bewirbt dort ihre neuen Bälle Pro V1 und Pro V1x. Ausgerechnet diese werden dann in einem einseitigen Testbericht euphorisch abgefeiert. Es bedarf keines Schelmes, dabei etwas Böses zu denken.

Das “Golfmagazin” aus dem Jahr Top Special Verlag macht es auf dem ersten Blick besser als die Konkurrenz. Advertorials wie der “Golf Fee Card Newsletter” (S. 115 – 120) oder über das “Drei Thermen Golfresort Bad Bellingen” (S.110 – 111) sind als Anzeige gekennzeichnet. Doch auf dem zweiten Blick sieht auch bei dem Hamburger Magazin nicht alles ganz sauber aus.

So wird in einem langen Artikel über die Preisverleihung des “Golfmagazin Award 2011″ berichtet (wer einen Eindruck von dieser grandiosen Feier erhaschen möchte, dem sei dieses Video empfohlen). Angeblich haben 2000 Leser und User darüber abgestimmt, wer in den jeweiligen Kategorien gewinnt. Da ist es schon ein irrer Zufall, dass die Auszeichnungen relativ gerecht auf die unterschiedlichen Sportartikler beziehungsweise Anzeigenkunden verteilt werden. Es entsteht ein Geschmäckle. Auch weil sich der Preisträger Golfregion Algarve (zum vierten Mal in Folge Award-Gewinner) mit einer doppelseitigen Anzeige im Heft für die Auszeichnung bedankt.

Lustigerweise ist eine längere Reisegeschichte des “Golfmagazins” dann auch dem Thema Portugal gewidmet. Gleich daneben findet sich unter “Reise News” ein kleiner Ausflugstipp fürs Wochenende in das A-Rosa-Hotel Travemünde. A-Rosa gewann übrigens in diesem Jahr den Award für das beste Sporthotel – und bedankte sich ebenfalls mit einer schicken Anzeige.

Kritisch zu betrachten sind auch “Die PGA-Seiten”. Hier präsentiert sich regelmäßig auf zwei Seiten der Dachverband der deutschen Golfprofessionals – und darf seine Nachrichten verbreiten. Diese klingen allerdings stellenweise wie reine Werbung für den eingetragenen Verein. In wie weit das “Golfmagazin” von der PGA of Germany dafür Geld erhält ist nicht klar. Unbestritten ist jedoch, dass Mitglieder des Verbandes automatisch ein Abo des Heftes beziehen.

Vor mehreren Jahren veröffentlichte die PGA of Germany übrigens in “Golf spielen”, einer Beilage der “Süddeutschen Zeitung”, ebenfalls regelmäßig ihre Verbandsnachrichten. Unter anderem wurde eine Pressemitteilung der PGA von der Redaktion unbearbeitet abgedruckt. Zeitgleich schrieb die Journalistenikone Hans Leyendecker auf der Medienseite der “Süddeutschen” über die Verquickung von Werbung und redaktionellen Texten. Als man ihn darauf aufmerksam machte, dass er vielleicht mal im eigenen Verlagshaus nachschauen sollte, versprach er dieses zu tun. In der darauffolgenden Ausgabe von “golf spielen” prangte über den Seiten der PGA ein kleiner Hinweis: “Anzeige”.